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ING-DiBa in der Vegetarier-Falle.

Darf ein Werbespot in einer Metzgerei spielen?

Die ING-DiBa lässt Dirk Nowitzki im aktuellen Spot an einen Platz seiner Kindheit zurück kehren. Und der ist – ausgerechnet? – eine beschauliche Metzgerei. Darf man aber, ethisch korrekt, Werbung mit “toten Tieren” machen? Nein, finden Vegetarier und bescheren der ING-DiBa auf ihrer Facebook-Seite seit dem Start des Spots eine wahre Flut an kontroversen Diskussionen.

Nun hat die Facebook Seite der Bank eine noch recht überschaubare Anzahl von Fans, gemessen an der Reichweite des Werbespots. Gerade einmal etwas um die 3000 Fans (zu Beginn der Diskussion um die 2000 Fans) hat die Bank auf dem sozialen Netzwerk versammelt. Von einem “Shitstorm” oder einer breiten Diskussion kann also noch keine Rede sein. Trotzdem reagiert die Bank angemessen: Sie lässt die Diskussion zu, und verfolgt sie gespannt (nach eigenem Bekunden). Sich dazu äußern will sie jedoch nicht – die restlichen Meldungen seit dem Launch des Spots drehen sich um die normalen Angebote der Bank, kein Wort zum Nowitzki-Spot. Streng gesehen: Auch nicht notwendig, denn zwischen TV-Reichweite und Diskussionsreichweite befinden sich noch Welten.

Trotzdem schürt die Diskussion natürlich Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt unter Community-Experten, die darüber debattieren, wie man mit einer “Belagerung” wie dieser richtig umgehen kann. Während Social Media-Experte Franz Patzig rigeros vorgehen würde, hat sich die ING-DiBa offenbar zur ruhigeren Version des Umgangs entschlossen: Aussitzen. Dabei böte sich hier eine deutliche Chance, mit etwas offensivem Charme vorzugehen. Beispielsweise einer Erklärung, dass man Tierleben und vegetarische/vegane Ernährung schätze und respektiere, einer Unterstützung eines kleinen Projektes. Und wenn man ganz geschickt wäre, würde man eine vegane Variante des Spots direkt hinterher schieben.
Natürlich wiegt ein Unternehmen wie die ING-DiBa ihr Vorgehen deutlich ab. Bei nicht einmal 3000 Diskussionsteilnehmern und nur wenigen hundert Menschen, die von der Situation überhaupt erfahren, muss man Aufwand und Nutzen in Relation stellen. Doch Social Media auf der anderen Seite, kann nicht mehr allein in Zahlen gemessen werden. Mit einer veganen Variante des Spots hätte man bspw. die Chance auf einen recht erfolgreichen viralen Effekt.

Für die Social Media-Szene ist der Fall zumindest ein spannender Beobachtungsposten, der das Jahr 2012 einläutet. Bei der Kommunikation mit Menschen in der Öffentlichkeit gibt es viele Wege – “Aussitzen” ist in Zeiten des Social Web einer davon, aber unter Umständen (auch bei einer solch überschaubaren Masse) nicht immer der richtige. Der ING-DiBa wäre gut geraten, wenn man sie offensiver in die Kommunikation gehen würde statt anderen die Diskussion zu überlassen.

Empfehlenswerte Lektüre am Rand dazu im übrigen: Anwalt Thomas Schwenke erklärt anhand des Falls, welches Hausrecht Unternehmen auf ihrer Facebook-Seite durchsetzen können.

Social Media im Jahr 2012.

Mit Thesen ist das ja immer so eine Sache. Aufgestellt sind sie schnell, und persönlich sind sie zudem auch immer. Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Digitalchef der Hamburger Agentur Achtung! und Social Media-Profi, hat für die W&V in einem Artikel sechs Thesen rund um Social Media im Jahr 2012 veröffentlicht.
Erste und wichtigste These: Firmen werden über Social Media nicht mehr reden, sie werden es einfach nutzen.
Zweite wichtige These: Zielgruppen sind wichtig, wer auch immer in den letzten Jahren die Zielgruppenansprache schlecht gemacht und Stakeholder als wichtiger erachtete, lag schlichtweg falsch.
Nun. Ich glaube, die These, dass wir Social Media einfach nutzen und nicht mehr darüber reden, gab es im Jahresumschwung 2010/2011 schon einmal. Aber so ist das eben – vom mobilen Internet hat man auch bereits mehrmals gesagt, es werde *das* Thema des neuen Jahres, bevor es in den letzten beiden Jahr tatsächlich seinen Durch- und einen Netzempfangs-Einbruch nicht nur bei O2 feierte.

Mit Thesen ist das ja immer so eine Sache. Aufgestellt sind sie schnell, und persönlich sind sie zudem auch immer.
Und selbst, wenn sie basierend auf Erfahrungen, Erkenntnissen und Studien, sehr begründet und glaubhaft wirken – es wird nicht lange dauern, bevor Jemand seinen Finger heben und das genaue Gegenteil behaupten wird.
Willkommen auf der Bühne: Denn eben dies tut Mirko Lange, Chef von talkabout communications und nicht weniger etablierter Social Media-Kenner. Er hebt seinen Finger und widerspricht Lünenbürger-Reidenbacher – vollständig. Mit nicht weniger überzeugenden Argumenten, Erkenntnissen und Worten.

Insgesamt sind beide Einträge sehr lesenswert, denn sie machen klar: Social Media bleibt auch 2012 das wohl spannendste Feld und eine große Herausforderung für Marketing und Kommunikation. Einen Königsweg gab es nie, und wird es nie geben – in Zeiten der individuellen Ansprache und des “Dialogs auf Augenhöhe” wird die Serienbrieffunktion, mit der man Kunden bisher bedient hat, überflüssig.
Social Media ist für viele Unternehmen noch immer eine Art der Kommunikation, die erlernt werden will und muss. Zielgruppen waren nie weg, aber sie sind auch nicht mehr so einfach zu definieren. Nutzer/Kunden/Menschen verlangen heute eine andere, individuellere Ansprache als noch vor wenigen Jahren, und das auch noch Plattformabhängig. Firmen müssen ihre Fähigkeit verbessern, sie müssen schneller reagieren, interagieren und lernen. Das sind die Herausforderungen für 2012 und darüber hinaus – ob wir das Kind dann 2012 noch “Social Media” oder “Buntes, tolles Internet” nennen, spielt keine Rolle. Reden werden wir auf jeden Fall darüber. Müssen.

Thomas Gigold

Microsoft launcht soziales Netzwerk ‘so.cl’, aber es ist anders …

Und noch eins? Microsoft hat sein neues Social Network ‘so.cl‘ (“social”) vorgestellt.
Doch der erste Gedanke “Noch eins?” wird durch Microsoft selbst direkt auf der Startseite verdrängt. Denn das Netzwerk stellt man selbst als “research experiment for students” vor, “focused on combining web browsing, search, and social networking for the purposes of learning.” Damit setzt sich das soziale Netzwerk, welches Microsoft explizit nicht als solches benannt haben will, mit einem Nutzungszweck von den Wettbewerbern wie Facebook ab. Aktuell ist so.cl auch nur via Einladung nutzbar.

Dass man hier keinen Facebook-Wettbewerber aufbauen will, sollte schnell klar werden. Zum einen hält Microsoft selbst Anteile am großen blauen Riesen und bindet seine Suche Bing.com ins Netzwerk ein. Zum anderen kann man sich auf so.cl mit seinem Facebook-Account einloggen.

Optisch erinnert so.cl stark an Facebook – Experimente beim Nutzerinterface sind mit dem ausgegebenen Ziel auch Fehl am Platz. Auch bei den Funktionen scheint es auf den ersten Blick keine neuen Errungenschaften zu geben, die man nicht bereits von andere Netzwerke kennt.
In der Mitte der Seite befindet sich ein Feld mit der Frage „Was suchst du?“ – das Netzwerk macht klar: Ich will helfen. Eine auf diese Weise neu eingegebene Statusmeldung durchforstet automatisch die Microsoft-Suchmaschine Bing nach Antworten und ermuntert andere Nutzer natürlich, Antworten zu geben – mittels so.cl sollen Studenten ihre Recherchen teilen und diskutieren. Daneben können Nutzer eigene “Communitys” zu Themengebieten kreieren und Kommentare zu eigenen Beiträgen auch vom Netzwerk “entführen” – über einen embed-Code lassen sich Diskussionen von so.cl in externe Websites integrieren. Was so.cl ebenfalls mit deutlichen Unterschied von anderen Netzwerken abhebt, ist das Format des “Rich Post” – ein solches Status-Update kann mit mehreren Bildern, Links und Markierungen versehen werden und erinnert damit mehr an die Erstellung eines normalen HTML-Dokuments.

Neben dem Lernen gibt es natürlich auch noch den Spaß – der wird durch das Feature der ‘Video Partys’ bedient. Was zuerst nach „Hangout“ von Google+ klingt, ist eine Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden Youtube-Videos zu schauen und darüber zu chatten.

Was Microsoft mit so.cl genau vor hat, bleibt aktuell noch etwas im Dunkel. Ein Social Network nur für drei Kurse an US-Universitäten zu programmieren scheint etwas zu aufwändig. Vorstellbar wäre die weitere Öffnung an Universitäten um im Bereich Recruiting auf Talente zu stoßen …

Mehr:
T3N
Talkabout (Embed-Test)

Von Verweigerern und Nutzern.

Und noch eine Studie zu Social Media – der “Social Media-Atlas 2011″. Die als Grundlage für den Atlas dienende Umfrage wurde auf breiteren Fuß als sonstige derlei erstellte Studien gestellt. Insgesamt wurden 4.230 deutsche Internetnutzer onlinerepräsentativ befragt und zu ihrer Nutzung von Social Media-Angeboten befragt.

Ergebnis: Ein Großteil derer, die Social Media bisher nicht nutzen, werden es in naher Zukunft auch nicht tun. Zu sehr hat man aktuell Angst um seine Daten.
Für Unternehmen dürfte neben der statistischen Auswertung der “aktivsten Bundesländer” aber auch Folgendes von Wert sein: Demnach vertrauen nur 22% den auf den Netzwerken verbreiteten Nachrichten von Unternehmen. Jedoch: Insgesamt gaben 67 Prozent an, äußerst großes Vertrauen in Informationen zu haben, die von persönlichen Kontakten stammen. Konkret bedeutet dies für Unternehmen, dass die eigenen Aktivitäten eher darauf abzielen sollen, Influencer zu gewinnen und überzeugte Kunden zu aktivieren, um potentielle Kunden zum Kauf zu bewegen.

Die Zusammenfassung der Studie gibt es auf Internet World Business, die Pressemitteilung ist hier zu finden.

Was ihr wollt.

“Was erwarten Verbraucher von Unternehmen im Social Media?” – vor dieser Frage stehen die meisten Unternehmen, die den Schritt auf Facebook und Co. wagen. Social Media gehört heute einfach ‘zum guten Ton’, und so ergibt sich für viele Unternehmen der Zwang zum ‘dabei sein’. Auch, wenn am Anfang der eigenen Aktivitäten die Ausarbeitung einer Strategie stehen sollte, so taucht die Frage im Verlauf der Entstehung eben dieser zwangsläufig auf: “Was wollen wir? Und was unsere Kunden?”

Es gibt diverse Umfragen, die diese Frage bereits beantwortet haben, und die als Leitbild für die eigenen Aktivitäten dienen können. Einen guten Baustein für die Ausarbeitung hat jetzt die Management Beratung Keylens zusammen mit der Financial Times Deutschland erstellt. In einer aktuellen Studie hat man erfragt, welche Erwartungen Kunden an die Social Media-Auftritte von Unternehmen haben, und welche Auswirkungen diese wiederum auf Kunden haben. Demnach bestätigt sich, was die Erfahrung bereits lehrt: Die intelligente Vernetzung diverser Angebote, relevante Informationen und die vom Unternehmen gegenüber dem Kunden bewährte Ansprache sind die Eckpfeiler von sinnvollen Social Media-Aktivitäten.
Die Ergebnisse fasst Sebastian Socha zusammen.


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