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Gottschalk Live!, und das Netz ist begeistert.

Gestern feierte Thomas Gottschalk seinen Einstand bei der ARD. Nicht mit einer großen Abendshow, sondern mit seiner “Early-Latenight” Gottschalk Live!. Insgesamt wurde in den letzten zwei Jahren wohl kaum eine Show/Sendung mit so viel Spannung erwartet, wie diese. Und die Premiere glückte – den größten Kritikpunkt des Abends lieferte nicht Gottschalk, sondern die ARD: Die Show wirkte dank häufiger Werbeunterbrechungen (die typisch für die Uhrzeit in der ARD sind) und des Wetterblocks stark zerstückelt und gehetzt.

Gottschalk selbst lieferte eine Sendung ab, für die ihm alle Ehre gebührt – Wulff-, Koch-, und Eurorettungsschirm-frei, wie er versprach (und zumindest in der ersten Sendung hielt). Gut vorbereitet und auf die ihm typisch non-chalante Art erklärte er nicht nur den Tag, sondern auch die Internet-Einbeziehung in seine Sendung. Auffällig gerade dabei: Gottschalk spielte nicht den Oberlehrer, sondern den Kumpel, der den Computer und das Netz erklärt (“Irgendwann werde ich Ihnen erklären, was Hashtag bedeutet.”) – eine Art, die dem um die Sendezeit ankommt. Und dazu versprach Gottschalk: “Ich werde, das verspreche ich Ihnen, nach jeder Sendung eine halbe Stunde hier im Netz unterwegs sein [...] und würde dann sagen, was Sie von mir wissen wollen – erfahren Sie. Weil, wenn Sie die Sendung gucken, dann haben Sie das verdient.

Und so zeigt sich auch das Netz durchaus begeistert: “Ein besseres Format hätte Gottschalk nicht passieren können, eine bessere Sendung hätte dem Fernsehen auch nicht passieren können — und irgendwann werden wir auch merken, dass es das Beste ist, was dem Netz im deutschen Fernsehen bisher passiert ist”, fasst Medienexperte Daniel Fiene seine ersten Eindrücke von Thomas Gottschalks erster ARD-Sendung gestern Abend zusammen. Und Thomas Knüwer stimmt ein: “[mit der neuen Sendung hat Gottschalk] das Zeug, mehr für die Medienkompetenz der Deutschen zu tun als der Großteil der Restmedien im vergangenen Jahrzehnt.”
Etwas härter geht Sven Wiesner ins Gericht mit der Crew von Gottschalk: “Die Chance Social Media in eine Live-TV-Sendung wirklich effektiv und vor allem inhaltlich wertvoll zu integrieren wurde im ersten Anlauf leider verspielt. Mit Anfängerfehlern, denn ein Communitymanagement fand praktisch nicht statt, die Masse des Nutzerfeedbacks wurde scheinbar unterschätzt, teilweise bewusst ignoriert.” Im zugehörigen Blog-Artikel erläutert Wiesner ausführlicher wieso er zu dem Ergebnis kommt. In der Tat schaffte es während der gesamten Sendung auch nur ein Tweet ins Fernsehen, für eine interaktive Sendung muss hier sicherlich noch ein wenig mehr passieren.

Das Medienmagazin DWDL fällt am Ende der Sendung eine ausgewogene Kritik, in der vor allem die “Zerstückelung” der Show kritisiert wird. Will die ARD Gottschalk auf dem Sendeplatz wirklich eine Chance geben, sollte sie die Werbeformalitäten ihres Vorabends massiv überdenken.

Ob Gottschalk wirklich die erste erfolgreiche Verknüpfung zwischen Web und TV herstellen kann, bleibt abzuwarten – Daniel Fiene und Thomas Knüwer sind sich sicher, dass er es kann. Dafür allerdings benötigt Gottschalk Zeit. Am Premierenabend schauten 4,34 Millionen Deutsche zu – für den Sendeplatz ein Spitzenergebnis für die ARD. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, wie viele davon in den kommenden Wochen übrig bleiben. Auf Facebook hat die Sendung, die sich im sozialen Netzwerk äußerst aktiv zeigt, im Moment etwas über 16.000 Fans – hier ist noch Platz nach oben. Abzuwarten bleibt, was der tägliche Sendungsstreß mit einem Thomas Gottschalk und die Quotenerwartertungen der ARD mit der Sendung machen. Reden wir in 100 Tagen noch einmal – so lang gibt man zumindest einer Regierung im neuen Amt, Gottschalk hätte als einer der großen Moderatoren in Deutschland eine ähnliche Schonzeit absolut verdient.

Die erste Sendung vom gestrigen Abend lässt sich für sieben Tage in der ARD Mediathek abrufen.


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