Irischer Datenschutzbeauftragter durchleuchtet Facebook – Ergebnis.

Facebook ist nicht böse.
Kurz gefasst ist dies das Ergebnis einer Untersuchung des irischen Datenschutzbeauftragten Billy Hawkes. Drei Monate lang hat dieser die Facebook Europazentrale durchleuchtet, sich erklären lassen, was Facebook ist, wie es mit Daten umgeht und warum das alles in Ordnung geht. Jetzt hat er seinen knapp 150 Seiten umfassenden Bericht vorgestellt, in welchem er zu dem Ergebnis kommt: Facebook hält sich an die Europäischen Datenschutzprinzipien und entspricht den irischen Gesetzen.
Die Dinge, die Hawkes in seinem Bericht bemängelt, verspricht Facebook binnen der nächsten sechs Monate zu verbessern. Dazu zählt u.a. die aktive Einwilligung in die Gesichtserkennung sowie die Vereinfachung des Datenzugriffs durch die Nutzer. Außerdem sollen Nutzerdaten, welche durch die sozialen Plugins auf Drittseiten durch Facebook gewonnen werden, künftig schneller gelöscht und anonymisiert werden.
Hawkes will die Einhaltung dieser auferlegten “ToDo” im Juli 2012 prüfen.

Gespannt darf man sein, ob sich die deutschen Datenschützer aufgrund des Reports im aktuellen Streit zu einer Meinung hinreißen lassen, oder dazu eher schweigen werden. Direkte Auswirkungen sollte der Bericht auf die aktuelle Lage zwischen Datenschützern und Facebook hierzulande jedoch nicht haben.

Mehr dazu:
Bericht (PDF)
Offizielles Statement von Facebook
ZEIT Online
Netzpolitik
Thomas Hutter
Richard Gutjahr

Die Falle Algorithmus.

Unsere Beziehungen zu Menschen werden zunehmend nicht mehr von uns selbst sondern von halb-intelligenten Algorithmen gesteuert. Welches Bild von einem Freund oder Bekannten entsteht, messen wir schon immer anhand dessen, was wir sehen. Die in Facebook und anderen sozialen Netzwerken zum Tragen kommenden Algorithmen jedoch bestimmen zu einem Großteil eben dieses zeichnende Bild, denn sie bestimmen, was und vor allem wer wichtig für uns ist.
Und so führt der auf Facebook agierende “Edge Rank” dazu, dass uns wenige Personen wichtig und andere unwichtig sind – oder anders: Wir leben in einer Filterblase, in der wir nur noch auf Freunde treffen, die der gleichen Meinung sind, wie wir selbst.

Konrad Lischka hat dazu im März diesen Jahres einen lesenswerten Artikel im Spiegel geschrieben: “Die ganze Welt ist meiner Meinung“.
Eine Studie hat jetzt zudem heraus gefunden: Die sonst in Beziehungen vorkommende “Ansteckung” findet auf Facebook kaum statt. Als “Ansteckung” wird bezeichnet, wenn Freunde die Vorlieben des anderen irgendwann übernehmen, obwohl sie dies am Anfang der Beziehung nicht geteilt haben. Die Wissenschaftler konnten in der Studie kaum eine solche Ansteckung feststellen. Willkommen im Leben mit Filter. Denn hier wird uns nur das vorgesetzt, was wir mögen, oder was uns potentiell gefallen könnte.
Das hat unbestreitbare Vorteile, macht den Blick über den Tellerrand zuweilen aber allerdings schwierig. Denn es schränkt ein – wie soll man Neugier erhalten oder neue Dinge kennen lernen, wenn einem nur anhand der alten Vorlieben Dinge erzählt werden?
Das wird die große Herausforderung der Algorithmen in den kommenden Jahren sein. Am Besten, bevor wir uns zu sehr an das Leben in der Blase gewöhnt haben …

Mercedes gründet grüne Stadt.

Mit ‘Green Sight City‘ launcht Daimler AG als erstes Unternehmen ein Facebook-Spiel. Das in Kooperation mit Spieleentwickler Zone2Connect entstande Social Game ist eine Art ‘Sim City’, allerdings mit dem Anspruch, eine Stadt zu konstruieren, die nicht nur ökologisch ist, sondern auch gute Mobilitätslösungen aufweist und alternative Energien sowie innovative Technologien einsetzt: “Additionally, grant your visitors an innovative mobility concept with a modern infrastructure in close communion with nature.
Damit greift das Spiel ein Thema auf, dass insbesondere in der Automobil-Branche aktuell viel Aufmerksamkeit generiert, und setzt es spielerisch um: Mobilität von Morgen.

Aktuell läuft das Spiel in einer Open Beta, also in einer Erprobungsphase, und so begegnen einem als Spieler hier und da noch immer Fehlermeldung. Trotzdem bewirbt Daimlers Mercedes das Spiel bereits.
Es wird sich zeigen müssen, wie viel Aufmerksamkeit das Spiel auf sich zieht. Aufbau-Spiele, die man sporadisch spielen kann, sind typisch für Facebook. Green Sight City soll vor allem junge Menschen für die Probleme von morgen sensibilisieren. Daimler bleibt dabei relativ im Hintergrund, die baubaren Car Sharing-Stationen zum Beispiel verzichten auf das Branding des Daimler-Projektes Car2Go. Im gesamten Spiel ist nicht ersichtlich, von wem das Spiel kommt – es könnte auch von einem der Platzhirsche wie Zynga sein.

Andere Unternehmen, wie BMW oder sicherlich auch Bosch und IBM, werden “GSC” im Auge behalten. Die Frage ist natürlich, ob man mit derlei Spielen aktiv Spieler, Fans und potentielle Kunden gewinnen kann. Aktuell hat die Facebook-Seite zum Spiel etwas über 1.200 Fans, die Applikations-Profilseite weist 800 monatliche Nutzer aus – nicht unbedingt gute Zahlen; das Spiel startete offiziell am 15.12. Es wird sich zeigen müssen, in welchen Bereich von Spielerzahlen Daimler mit dem Spiel vordringen wird – ausgelegt ist es auf den internationalen Markt.

Die Beta-Phase übrigens merkt man dem Spiel noch an: Neben Abbrüchen und Fehlermeldungen macht sich vor allem der fehlende Zoom und die schlechte Möglichkeit des Scrollens innerhalb des Spiels bemerkbar, der zu erheblichen Usability-Problemen führt und den Spielspaß mindern. Hier müssen die Spieleentwickler noch Arbeit investieren.

Stand der Dinge und die Konsequenz: Datenschutzbeauftragte vs. Facebook.

Die Kontroverse um Facebook und die wirtschaftliche Nutzung der Plattform bleibt weiterhin spannend. Was die Datenschutzbeauftragten der Länder im einzelnen von Facebook und Co. verlangen und welche Konsequenzen sich für Unternehmen ergeben, die auf Facebook vertreten sind oder die angebotenen Plugins nutzen – zu den wichtigsten Fragen nimmt Rechtsanwalt Thomas Schwenke in einer umfangreichen FAQ Stellung und gibt Ratschläge. Absolute Leseempfehlung: “Deutschlandweites Verbot von +1/Like-Buttons und Facebookseiten? – FAQ

Früher war mehr .gif

“Best viewed with Netscape Navigator 4.03″
Erinnern Sie, werter Leser, sich noch an Websites mit diesem Text am Ende der Seite. Mit animiertem Netscape Logo? Wenn Sie sich jetzt fragen: “Was ist Netscape?”, dann ist dieser Eintrag hier übrigens witzlos.

Das ‘Once Upon’ Kunst-Projekt von Olia Lialina und Dragan Espenschied hat YouTube, Facebook, and Google+ in der Zeit zurück geholt und präsentiert die Seiten so, wie wir sie 1997 in einem Netscape Browser gesehen hätten. Komplett mit Tabellen, Frames, kleinen animierten GIFs (Moment, schließen Sie hier bitte Google+ kurz aus ..) und natürlich auch der passenden Typografie.

Wie das aussieht? Sehen Sie hier. Vorsicht, Augenkrebs.

SchuelerVz: Mit Hot or Not zum Mobbingopfer?

Ein wenig seltsam mutet es schon an, wenn SchuelerVz – der auf Minderjährige zugeschnittene Aufguss des deutschen Facebook-Klons StudiVz – ein neues Feature launcht, welches doch sehr an das “Hot or Not”-Prinzip des Facebook-Vorgängers Facemash.com erinnert. Schüler werden im “Vz Pausenhof” ermuntert, ihre Freunde mit “Top” oder “Flop” zu bewerten.
Das mag auf den ersten Blick kopiert und banal klingen. Auf den zweiten Blick muss man sich jedoch schon fragen, wieso ein strauchelndes Netzwerk, das nach eigener Aussage vor allem durch Datenschutz und gute Nutzerkommunikation punkten will, eine Funktion einbaut, mit der sich registrierte Nutzer systematisch mobben lassen?

Alles halb so schlimm, wiegelt StudiVz im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung ab. Zwar könne man “auf den ersten Blick [..] sicher falsche Rückschlüsse ziehen”, gibt Tobias Scheiba, Marketing-Chef der VZ Netzwerke, im Gespräch zu, aber die negativen Bewertungen würde niemand einsehen können. Allerdings: Die Zahl der Top-Votes wird sehr wohl angezeigt. So ist es zwar nicht möglich, jemanden “in den Boden zu voten“, allerdings dürfte es in gewissen Nutzerkreisen auch nicht hilfreich sein, keine “Top”-Votings zu haben. Der Vorwurf des über die Funktion möglichen Mobbings bleibt also nicht ungerechtfertigt, erhöht sich durch die neue Funktion doch durchaus nachvollziehbar der soziale Druck auf die Nutzer.

Siehe auch:
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach
Johnny Haeusler
Daniel Fiene

Update Offenbar hat SchuelerVz den “Flop”-Knopf jetzt aus dem Angebot entfernt. Die App bleibt jedoch weiterhin bestehen – was das oben beschriebene Problem leider nicht vollständig löst.