Die Idee ist nicht dumm: Mit einer neuen Facebook-Applikation will der FC Bayern seine Fans würdigen und zeigen, wie wichtig sie dem Verein sind. Doch der Auftakt zur Bekanntgabe konnte nicht schlechter laufen – den hat der Verein nämlich gehörig über-inszeniert.
Die “The New FCB Star” benannte App erlaubt es Fans, in die Rolle eines Spielers beim Bundesliga-Spitzenverein zu schlüpfen. In mehreren Etappen (die nächste, das ‘Training’ wird in 12 Tagen starten) soll der Nutzer als Offensiv-Spieler ins Team integriert werden.

So gut die Applikation gemacht ist, so viel Empörung löste die Vorstellung der App bei den Fans aus. Denn der Verein kündigte heute Vormittag die spektakuläre Verpflichung eines neuen Offensiv-Spielers an, was nicht nur auf Twitter zu diversen Spekulationen führte – so fragten Nutzer bspw. Redaktionen an, ob die bereits etwas wüßten. Um 14 Uhr startete dann eine Online-Pressekonferenz, die exklusiv auf Facebook übertragen wurde. Im Video kündigen Markus Hörwick, Pressesprecher des Vereins, Christian Nerlinger, Sportdirektor, und Philipp Lahm, Mannschaftskapitän, den neuen Kollegen an – der kann “aus Gründen” leider nicht live dabei sein. Am Ende des kurzen Videos jedoch wird ein Bild des neuen Spielers gezeigt – das Profilbild des Facebook-Nutzers.
Anschließend geht es mit Video-Aussagen einiger FCB-Stars weiter, die den neuen “Spieler” begrüßen, und Name sowie Profilbild werden in verschiedenen Medien im Video gezeigt.
Der Coup für die App und die App selbst sind gut, doch mit dem Kernthema “neuer Spieler” sollte man Fussballfans zum Ende der Transfer-Saison offenkundig nicht unbedingt foppen. Soviel Gespür hätte bei dem Thema beim Verein durchaus vorhanden sein müssen. Insgesamt versammelt der FCB 2,7 Mio. Fans auf seiner Facebook-Seite. Eine recht große Zahl derer fühlt sich von der Form der Verkündung eher ‘veräppelt’ und lädt seinen Frust aktuell im Sekundentakt auf der Pinnwand des Vereins ab.

Mit der neuen App will der FC Bayern unterstreichen, wie wichtig die Fans ihm sind: Der Fan als Zwölfter Mann, mit der traditionsreichen “8″ auf dem Rücken. Der Auftakt ist etwas schief gegangen – Aufmerksamkeit jedoch hat er generiert. Wird sich zeigen, wie die Fans in 12 Tagen auf die nächste Inszenierungsstufe ansprechen.
Die Wut der Fans rührt offenkundig vor allem daher, dass der Verein mit einer von vielen Fans gesehenen Not spielt – so fehlt den Fans offenbar ein weiterer Offensiv-Star im Team. Diese Not für PR-Zwecke zu nutzen ist in keiner Sportart eine gute Idee. Hier hätte es unter Umständen etwas mehr Sensibilität seitens der Vereinskommunikatoren bedarf. Unabhängig von diesem Punkt kann man den FCB eigentlich nur loben – sowohl App als auch Inszenierung sind im Grunde durchaus gelungen und gute Ideen. Die Aktion und Reaktion zeigt nur deutlich, dass eine gute Idee leider nicht alles ist – man sollte die eigenen Fans auch soweit kennen, dass man nicht mit ihrer Not spielt.