medienrauschen, das; [Nomen] – ein Weblog rund um Neues und Lesenswertes aus den Themenbereichen Medien und Social Media

FAZ Online-Leser sind Schnorrer

Ich bemühe mich, Internet-Kommentare zu ignorieren. Im Gegensatz zu den Lesern der F.A.Z.-Printausgabe sondern viele Kommentatoren der Schnorrerausgabe im Internet vornehmlich Unsinn ab. Um in jedem zehnten Kommentar vielleicht etwas Interessantes zu entdecken, mag ich mich nicht durch einen Berg von Meinungsmüll und Geplapper lesen.

Michael Martens, Korrespondent der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, mag die Leser und Kommentatoren der Online-FAZ nicht.

/Rekonstruktion eines Eklats, via newsroom.de

“Ich hasse Content!”

Content Marketing. Mir stellen sich dabei jedesmal die Nackenhaare auf

.. schreibt Christian Faltin über die neue Marketing-Sau “Content Marketing”. Content hat in Deutschland einen negativen Ruf, obwohl mit dem Begriff per se eigentlich nicht viel mehr als Inhalte jeglicher Couleur gemeint sind. Das sieht auch Faltin und schreibt direkt hinter der Überschrift: “… aber ich liebe Geschichten”. Damit heischt Faltin am Ende mit der Überschrift auch nur um Aufmerksamkeit und wendet eines der Erfolgsrezepte des Content Marketings selbst an – knackige, reizende Überschriften.

Klaus Eck schreibt auf Facebook als Replik: “Wenn wir von Content Marketing sprechen, geht es nicht nur um lesenswerte Geschichten, gute Inhalte, es geht auch darum, das Passende zum richtigen Zeitpunkt im Customer Journey zu veröffentlichen, damit Kunden adäquat erreicht werden.

Content Marketing steht in Deutschland am Anfang des Hype-Zykluses. Nach SEO und Social Media kommt jetzt der Inhalt mit voller Wucht aus den Marketingschmieden der Agenturen. Und wo die Marktschreier, da natürlich auch die Draufhauer. Faltin entpuppt sich im Lauf seines Textes als einer, der am Ende ruft: “Macht weniger Content Marketing und mehr Storytelling”. Nun, das war dummerweise aber schon das Hypewort 2012/2013 …

Schön erzählte Inhalte wollen vermarktet werden, damit sie auch gelesen werden. Unter welchem Hypezyklus man das nun benennen mag ist vollkommen egal – derlei kommt und geht, die Aufgabe im Netz bleibt aber immer die gleiche: schaffe Inhalte die Nutzer aus dem Grund lesen wollen, der sie auf deine Seite brachte. Dann werden dich Kunden, Leser und Google lieben – der Rest passiert allein. Fast. Und mit ein wenig Marketing, egal ob “Content” davor steht oder nicht ;)

Shit­storm, der [Substantiv, maskulin]

Neue Wörter braucht das Land. Der Duden-Verlag hat das Standardwerk in Buchform überarbeitet und vermerkt jetzt auch Begriffe wie “App” oder eben “Shitstorm“.

Damit hat es der Wutbürger im Internet endlich zu etwas gebracht – und der Social Media-Manager braucht ein neues Wort für die gegen ein Unternehmen gerichtete Empörungswelle.

Übrigens Social Media, auch dieses Wort findet man künftig im gedruckten Duden – als Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke u. Ä., über die Nutzerinnen und Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können.

Keiner will Facebook Home

Niemand will den Facebook Home-Launcher: Nachdem das vor wenigen Monaten vorgestellte “Overlay” für Android-Handys schon bei den Kunden nicht gut ankommt, handelt sich Facebook nun auch auf Herstellerseite zunehmend Absagen für die Software ein.

So haben nach einer Absage von Samsung nun auch andere Hersteller wie Sony Mobile, Lenovo, ZTE und Huawei kein Interesse an Smartphones mit dem vorinstallierten Android-Launcher bekundet. Ausschlaggebend dafür dürfte auch sein, dass das HTC First in den USA ein Ladenhüter war.
Smartphone-Hersteller haben keine Lust auf Facebook Home, Golem

Back in 1984

“Gedrucktes ist tot.”

Dr. Egon Spengler
“Ghostbusters”, 1984

Irgendwas mit “Blogkrise”

Alle Jahre wieder befällt die deutschen Blogs eine Sinnkrise. Oder besser: Nicht die Blogs befällt sie. Eher die Meta-Blogs und überkritischen Journalisten. “Blogs sterben”, wird dann getitelt. “Blogs verlieren Leser”, “Blogs sind nicht mehr relevant”.
Diese Diskussion keimt fröhlichen Herzens aller 10,75 Monate in der deutschen Bloglandschaft auf. Um zwei Wochen später wieder ebenso wieder zu verschwinden. Ohne, dass sich etwas ver- oder geändert hätte. Wieso sollte es auch?

Blogs sind nicht in der Krise. Blogs sind relevant. Und Blogs sterben nicht.

Der einzige Unterschied zum ersten Blog-Boom 2003?
Nun. Mittlerweile hat sich einfach rumgesprochen, dass Google aktuelle Inhalte mag, und Leser nicht blöde sind. Und dann wären da natürlich diese bösen Netzwerke namens Facebook, Twitter und Google+, die den armen Weblogs Leser wegnehmen.

Ist natürlich Quatsch. Meistens jedenfalls. Was da (herbei-)geschrieben wird.

Denn Blogs sind aus dem Medienmix des Homo Sapiens Netziens kaum mehr wegzudenken. Einzig die Zahl der Blogs ist in den letzten Jahren gestiegen. Werfe man allein einmal einen Blick auf die Welle der Food-Blogs, die Deutschlands Küchen erobern. Oder Weblogs voller strickender holder Weiblichkeit. Und dann wären da natürlich all diejenigen, die man früher “A-Blogger” genannt hätte.
Heute sind es einfach nur noch “Blogger”. Oder “Publizisten”, auch wenn mancher Journalist, der in den letzten Jahren nichts dazu gelernt hat, bei diesem Begriff womöglich leichte Herz-Rhythmus-Störungen bekommt.

Tatsache ist natürlich, dass Deutschlands Weblogs weniger erfolgreich sind, als ihre amerikanischen Schwestern und Brüder. Dummerweise liegt das womöglich einfach nur am Verbreitungsgrad English vs. Deutsch, am Verlags- und Medienwesen, an … Jeder sollte langsam bemerkt haben, dass man “USA” und “Deutschland” zwar in einem Satz nennen, nicht aber vergleichen kann.

Und “Relevanz”, überhaupt.
Relevanz ist, was etwas für uns wichtig macht.
Es gibt durchaus Weblogs, die haben höhere Zugriffszahlen als so manche Lokalzeitung im Netz. Und selbst wenn nicht, und “Julie aus Berlin” nur für ihre 20 Freunde schreibt – Relevant ist das für die Gruppe allemal. Wer sind wir, dass wir uns anmaßen die Deutungshoheit über Inhalte in Anspruch zu nehmen? Fragen Sie einmal den Archäologen, ob für den ein Weblog von Ilse Meier aus Pompeii zwischen 56 und 62 n.Ch. interessant wäre, in dem sie berichtet, was es heute zu essen gab und wie ihr Alltag aussah?

“Doch all das wird die Blogs nicht vor dem Untergang schützen. Denn die Blöggerdämmerung ist da – Facebook und Google+!”
Töten Facebook und Google+ nun Blogs?
Ja, wenn wir es zulassen, dass all unsere Inhalte künftig nur noch dort abgeladen werden. Professionalisierten Blogs allerdings wird dies wohl kaum passieren, schließlich ist die eigene Plattform viel zu wichtig – nur hier kann bestimmt werden was, wie ausführlich und für welchen Zeitraum ich etwas schreibe.

“Content” wird auch weiterhin das Wichtigste im Netz bleiben. Und von diesem Standpunkt aus haben Blogger und nach Blog-Mechanismen funktionierende Websites seit jeher einen Vorteil. Das sorgte für einen Boom der Blogs vor einigen Jahren – weil sie (wenn auch meist unbewusst) die Google-Mechaniken als erstes am Besten nutzten. Seit dem haben viele Seiten nachgerüstet. Aus Firmen werden Medien. Aus Verlagen werden zunehmend Diven-hafte Online-Häuser und die Zahl der Blogs nimmt ebenso zu. Hinzu kommen soziale Netzwerke.

Noch stirbt hier niemand. Noch ist eine Krise auch nicht vorhanden – bei den Blogs zumindest nicht. Daran ändert sich seit einem Dutzend Inkarnationen dieser Diskussion nur wenig. Allein: Die alte “Blogroll”, eine Linkliste zu anderen Blogs, ist von der höflichen Würdigung anderen Schaffens zum über Bord geworfenen Ballast geworden. Das hat wenig mit Eitelkeiten zu tun, sondern mit (Webdesign-)Trends. “Sharen” geht heute anders als 2007 noch. An den Reichweiten und Relevanzen ändert das jedoch kaum etwas, im Gegenteil – was heute Menschen erreicht, hätte vor einigen Jahren aus der Blogblase heraus vielleicht nicht einmal eine Chance gehabt.

Netzwerke richtig zu umarmen und charmante Inhalte zu produzieren – das ist die “Blogherausforderung 2013″. Haben Blogger aber irgendwie schon immer gemacht, selbst als es 2001 in Deutschland gerade mal ein Dutzend waren. Daran ändern auch herbeigeschriebene Krisen nichts … Blog is Pop.

Facebook und das gefährliche Spiel mit “Interaktion”

Facebook hat letzte Woche Community-Managern einen Schrecken eingejagt und Änderungen an seinem EdgeRank vorgenommen. Jene Berechnungsgrundlage entscheidet darüber, ob und wie oft Inhalte von Facebook-Seiten (und -Freunden) im Stream eines Nutzers angezeigt werden.

Einer Erhebung der Agentur we are social und des Monitoring-Spezialisten socialbakers zufolge, ist die Sichtbarkeit von Seiteneinträgen im September um 20 Prozent gesunken.
Kritiker sehen in diesem Vorgehen Facebooks eine klare Ansage darin, dass Seitenbetreiber Reichweite künftig vorrangig über das eigene Werbesystem und bezahlte Einträge (“Post Page Ads”) erreichen sollen. Für Seitenbetreiber, die Facebook allem voran als Community-Plattform sehen ein Schlag ins Gesicht.

Der EdgeRank belohnt künftig diejenigen Inhalte, die Interaktion auslösen noch mehr als bisher. In den letzten Monaten ist dahingehend bereits eine Banalisierung der Inhalte zu beobachten, die von Nutzern jedoch oftmals mit hoher Interaktion belohnt werden.

Facebook ist ein Fast-Food-Restaurant für Content jeglicher Art, das Angebot hier muss innerhalb bestimmter Grenzen leicht variieren und dazu verleiten, noch mehr zu essen.
Das hört sich für Content-Gourmets ggf. abenteuerlich an, ist aber künftig entscheidend für die Reichweite.
Fakt ist, dass sich künftig mehr als bisher Seitenbetreiber damit auseinander setzen müssen, wie sie Inhalte erstellen, die sowohl Interaktion hervorrufen, als auch sinnvolle Markenkommunikation ermöglichen.
Die Herausforderung besteht darin, Inhalte zu kreieren, die innerhalb eines möglichst kurzen Textes Markeninhalte und Interaktion bieten. Dies sollte möglichst mit einer gesteigerten Frequenz einher gehen, um den erreichten Status Quo innerhalb des EdgeRanks nicht zu gefährten.

Die Änderungen am EdgeRank haben sorgen nicht zwangsläufig für eine Verbesserung der Inhalte-Qualität, die Gefahr ist hoch, dass wir im Gegenteil eine weitere Banalisierung sehen, weil diverse Seiten nur noch über “Stimmenfang” ihre Sichtbarkeit erhöhen wollen. Seitenbetreiber müssen sich also zwangsläufig fragen, wie Sie Qualität und Interaktion im Fast-Food-Restaurant unter einen Hut bekommen und möglichst so einsetzen, dass sie konstant Reichweite erzielen. Eine Nutzung der Facebook-Anzeigenformate wird in diesem Zuge für Marken und Firmen kaum mehr zu umgehen zu sein, was sich insb. bei Seiten mit breiter Fanbasis in hohen Kosten niederschlagen kann.

Die kommenden Wochen müssen zeigen, ob die mit dem Update aufgewertete Währung “Interaktion” für alle Seiten fair eingesetzt werden kann, oder ob mancher Seitenbetreiber auf der Strecke bleibt, wenn sich einige große Seiten es gleichzeitig leisten, auf Inhalte zu verzichten und einzig und allein auf Interaktion zu gehen.

Das Problem aus der Erfahrung heraus ist, dass Nutzer aus bestimmten Gründen Fan einer Seite werden. Diese wurden in einer aktuellen Studie von eMarketer für Deutschland erst wieder abgefragt. Allerdings: Gerade die Top-Gründe verführen Fans nicht zu einem hohen Einsatz von “Gefällt mir”-Angaben oder dem Hinterlassen von Kommentaren.
Angebote oder Gewinnspiele werden zwar genutzt, selten aber mit Interaktion belohnt. Hier ist künftig eine Mischung und möglichst Verquickung notwendig.

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