FC Bayern verärgert Fans mit über-inszeniertem App-Launch.

Die Idee ist nicht dumm: Mit einer neuen Facebook-Applikation will der FC Bayern seine Fans würdigen und zeigen, wie wichtig sie dem Verein sind. Doch der Auftakt zur Bekanntgabe konnte nicht schlechter laufen – den hat der Verein nämlich gehörig über-inszeniert.

Die “The New FCB Star” benannte App erlaubt es Fans, in die Rolle eines Spielers beim Bundesliga-Spitzenverein zu schlüpfen. In mehreren Etappen (die nächste, das ‘Training’ wird in 12 Tagen starten) soll der Nutzer als Offensiv-Spieler ins Team integriert werden.

So gut die Applikation gemacht ist, so viel Empörung löste die Vorstellung der App bei den Fans aus. Denn der Verein kündigte heute Vormittag die spektakuläre Verpflichung eines neuen Offensiv-Spielers an, was nicht nur auf Twitter zu diversen Spekulationen führte – so fragten Nutzer bspw. Redaktionen an, ob die bereits etwas wüßten. Um 14 Uhr startete dann eine Online-Pressekonferenz, die exklusiv auf Facebook übertragen wurde. Im Video kündigen Markus Hörwick, Pressesprecher des Vereins, Christian Nerlinger, Sportdirektor, und Philipp Lahm, Mannschaftskapitän, den neuen Kollegen an – der kann “aus Gründen” leider nicht live dabei sein. Am Ende des kurzen Videos jedoch wird ein Bild des neuen Spielers gezeigt – das Profilbild des Facebook-Nutzers.
Anschließend geht es mit Video-Aussagen einiger FCB-Stars weiter, die den neuen “Spieler” begrüßen, und Name sowie Profilbild werden in verschiedenen Medien im Video gezeigt.

Der Coup für die App und die App selbst sind gut, doch mit dem Kernthema “neuer Spieler” sollte man Fussballfans zum Ende der Transfer-Saison offenkundig nicht unbedingt foppen. Soviel Gespür hätte bei dem Thema beim Verein durchaus vorhanden sein müssen. Insgesamt versammelt der FCB 2,7 Mio. Fans auf seiner Facebook-Seite. Eine recht große Zahl derer fühlt sich von der Form der Verkündung eher ‘veräppelt’ und lädt seinen Frust aktuell im Sekundentakt auf der Pinnwand des Vereins ab.

Mit der neuen App will der FC Bayern unterstreichen, wie wichtig die Fans ihm sind: Der Fan als Zwölfter Mann, mit der traditionsreichen “8″ auf dem Rücken. Der Auftakt ist etwas schief gegangen – Aufmerksamkeit jedoch hat er generiert. Wird sich zeigen, wie die Fans in 12 Tagen auf die nächste Inszenierungsstufe ansprechen.

Die Wut der Fans rührt offenkundig vor allem daher, dass der Verein mit einer von vielen Fans gesehenen Not spielt – so fehlt den Fans offenbar ein weiterer Offensiv-Star im Team. Diese Not für PR-Zwecke zu nutzen ist in keiner Sportart eine gute Idee. Hier hätte es unter Umständen etwas mehr Sensibilität seitens der Vereinskommunikatoren bedarf. Unabhängig von diesem Punkt kann man den FCB eigentlich nur loben – sowohl App als auch Inszenierung sind im Grunde durchaus gelungen und gute Ideen. Die Aktion und Reaktion zeigt nur deutlich, dass eine gute Idee leider nicht alles ist – man sollte die eigenen Fans auch soweit kennen, dass man nicht mit ihrer Not spielt.

Facebook deckt Nutzer mit ‘Timeline’ ein.

Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Facebook drückt in den kommenden Wochen seine neue Profil-Timeline Chronik für alle Nutzer durch. Der Schritt war absehbar – trotzdem murrt es im Netz, denn die neue Art der Datenaufbereitung für Profile gefällt nicht jedem. Journalisten wetteifern um die besten Superlativen, wenn es um die neue Chronik geht – schockierend, dreist (FAZ v. 26.01., S. 35), gläsern … Etwas weniger Panik hätte auch gut getan. Sinnvoller wäre eher eine Schaufel voll Medienkompetenz gewesen. Wie hier.
Wann und ob es die neue Ansicht auch für Facebook Pages gibt, darüber darf weiter spekuliert werden, Facebook äußert sich nicht.

Zum Thema:
ZDF Hyperland
Futurebiz

Google will Alles.

Google packt den Hammer aus: Am Dienstag Abend gab das Unternehmen aus Mountain View bekannt, dass man künftig alle Daten der eigenen Dienste zusammenführen wird und Nutzerdaten aus GMail, Suche, YouTube und anderen Services kombiniert.
Nutzer können sich von diesem Schritt nicht ausnehmen, ein Opt-Out ist nicht vorgesehen oder möglich.

Die Ankündigung klingt harmlos, ist jedoch ein radikaler Schritt: Google hat die Nutzungsbedingungen seiner Dienste gestrafft und vereinfacht – “easier to read, easier to understand”. Statt für jeden Dienst eine eigene Datenschutz-Richtlinie gibt es künftig eine für alle Dienste. Doch dahinter verbirgt sich noch etwas – das Zusammenführen von Daten eines Nutzers (mit Google Profil) aus all den von ihm genutzten Diensten. Für Google ist dieser Schritt eine logische Konsequenz aus dem, was Google zuletzt mit Google+ und der sozialen Suche bereits technisch und mit der Google-Bar auch optisch, eingeleitet hat. Es ist ein absehbarer Schritt.
Mit der Zusammenführung erstellt Google endgültig ein zentrales Profil für jeden Nutzers, das Informationen von einem Dienst zum anderen reicht. Etwas, das man selbst als stets verfolgter und getrackter Nutzer innerhalb des Google-Netzwerkes in dem bevorstehenden Ausmaß noch nicht kannte. Innerhalb von Google konnte das Unternehmen bisher zwar auch bereits eindeutig nachvollziehen, was ein Nutzer mag, für Mails bekommt, Videos konsumiert und sucht – mit der neuen Richtlinie will es diese Informationen künftig jedoch auch offensiv zusammenführen und nutzen dürfen.

Die neue Datenschutz-Regelung schließt Android-Nutzer, die ihr Telefon mit dem eigenen Google-Account verknüpft haben, mit ein. Einzige Ausnahmen vom Schritt der ‘global privacy police’ sind Google Wallet, der Chrome Browser sowie Google Books. Durch die Verbindung der Dienste, die auch das Werbenetzwerk von Google mit einschließen, werden weitere Personalisierungen in Werbung, Suche und anderen Diensten möglich.

Google propagiert den Schritt mit dem Erlebnisfaktor. Das Google-Netzwerk soll für Nutzer eine “simpler, more intuitive Google experience” bieten. Mit dem Schritt schafft der Suchprimus ein endgültig zusammenhängendes Google Eco-System, dessen zentrale Verwaltung Google+ werden dürfte. Dass man Nutzer lieber und durchaus gut im eigenen Eco-System halten kann, zeigen aktuell vor allem Apple und Facebook.

Die neuen Richtlinien und die Zusammenführung wird zum 1. März stattfinden.
Es wird spannend zu sehen sein, welches Ausmaß an Gegenwind Google aufgrund dieser Ankündigung aus der Netzgemeinde in den nächsten Tagen entgegen kommt – das sonst vom Konzern propagierte Motto “Don’t do evil” dürften sich die Angestellten in den nächsten Tagen des öfteren um die Ohren schlagen lassen müssen.

McDonalds: Verbrannter Hashtag in der Burger-Küche.

Dass Inhalte nicht mehr den Unternehmen gehören, daran müssen sich einige Firmen erst noch gewöhnen. Ebenso wie an den Gedanken, dass eine Idee im Social Web lang nicht mehr so leicht steuerbar ist, wie man im Vorweg eventuell glauben will.
Nun birgt das Social Web nicht unbedingt übermäßige Gefahren, dennoch sollte bedacht werden, welche Konsequenz sich aus einer Idee entwickeln kann – sowohl positiv, als auch negativ. Trotzdem passiert es hin und wieder, dass bei der Entwicklung einer Idee kurz gedacht wird oder man den “Trollfaktor” nicht einberechnet. Denn unter den Nutzern werden sich immer auch einige finden, die eine Idee “umkehren” und – in den Augen des Unternehmens – gegen das Unternehmen richten. So geschehen beispielsweise im letzten Jahr bei einer Kampagne von Pril, bei dem plötzlich “Pril Brathähnchen Geschmack” in einem Uservoting ganz vorn lag.

Mit einem ähnlichen “Umkehreffekt” hat nun auch die Burgerkette McDonald’s zu kämpfen. Und das ganz unaufgefordert, denn ursprünglich hatte man Nutzer nicht einmal zum mitmachen aufgefordert. Doch die kamen.

Am Mittwoch hatte McDonald’s auf seinem Twitter-Account den Hashtag “#McDStories” genutzt, um seine neue Imagekampagne mit Videos über seine Lieferanten und die Güte des eigenen Essen zu twittern.
Insgesamt gab es gerade einmal zwei Tweets: Eins, Zwei.
Diese verteilte man nicht nur an die eigenen Follower, sondern auch über das Promoted Tweets-Programm von Twitter, der bei der Suche nach einem Thema oder Hashtag den bezahlten Tweet immer an oberste Stelle setzt. Nutzer griffen den Hashtag auf, um ihre eigenen “McD Stories” zu erzählen. Und “within an hour, we saw that it wasn’t going as planned”, wie es McDonald’s Social Media Director Rick Wion gegenüber paidcontent.org ausdrückt.
Denn die Nutzer fingen nicht an, über tolles Essen zu twittern, sondern über entlassenen Freunden, Fingernägeln im Essen, Magenproblemen und andere negative Geschichten rund um die Burgerkette.
Selbst sechs Tage nach dem Original-Tweet hält sich die Welle, wenn auch immer kleiner werdend, noch auf der Plattform.

Stellt sich die Frage: Kann McDonalds etwas dafür?
Der parallel zu gleichen Promotion-Zwecken publizierte Tweet mit mit dem Hashtag #MeetTheFarmers bekam zwar auch zum Teil negatives Feedback, nicht jedoch in der Wucht, wie es bei #McDStories über McDonald’s herein brach. Am Ende testete das Social Media Team, welcher Hashtag mehr Aufmerksamkeit gewinnen würde. Und Gratulation, es gibt einen Gewinner! Würde man nach alten Marketingregeln gehen, gälte an dieser Stelle: Besser schlechte PR als gar keine. Fakt ist, McDonalds hat zum Teil gegen ein schlechtes Image anzukämpfen – ungesundes, nicht schmeckendes Essen und schlecht bezahltes Personal sind die wahrscheinlich häufigsten Vorwürfe. Damit in einem Franchise-Unternehmen aufzuräumen ist keine Aufgabe, die leicht ist. Der erzeugte Gegenwind dürfte für die Kette also keine gänzlich neue Erkenntnis sein, und das Unternehmen dürfte ohne nennenswerte Schäden aus der Geschichte kommen. Trotzdem verdeutlicht es allerdings: Social bedeutet auch, mit Gegenwind rechnen zu müssen und damit umgehen zu können. Auch, wenn er sich aus einem vermeidlich banalen Hashtag ergibt. Und: Einmal ein Hashtag gesetzt, lässt sich dieser nicht mehr umkehren oder löschen. Für alle, die in der letzten Woche auf die Anzeige von McDonald’s geklickt haben, dürfte es höchst überraschend gewesen sein, in einer Werbekampagne zu landen, welche die negativen Eindrücke eines Unternehmens hervorhebt …

Am Ende der Woche twitterte McDonalds übrigens: “TGIF” – Thank God it’s Friday! Kann man verstehen …

Fairness gefragt: Plugin erweitert Googles soziale Suche.

Mit dem Start seiner sozialen Suche, die Ergebnisse anhand der eigenen Google+-Informationen aufwertet, bevorzugt Google klar die Inhalte aus dem eigenen Netzwerk vor allen anderen Seiten. Ein Fakt, der nicht nur bei manchem Nutzer für kritische Stimmen sorgt – auch Twitter wetterte nur wenige Stunden nach der Ankündigung der neuen Suche massiv gegen Google. Brisant: Google hatte einen Vertrag über die Live-Einbindung von Tweets in die Suchergebnisse zuvor auslaufen lassen.

Nun haben sich unter der Initiative “Focus on the User” nach eigenem Bekunden “einige Entwickler von Twitter, Facebook und MySpace” zusammen getan und liefern ein Browser-Plugin, dass die soziale Suche Googles um Angaben aus ihren Netzwerken erweitert. Dabei werden keine Live-Daten ausgegeben – vielmehr greift das Plugin die normale Suche von Google nach Ergebnissen ab und bindet diese wieder in die Google-Ergebnisseite ein. Man nutzt so im Grunde Google gegen Google und zeigt, wie man sich eine wirklich soziale Suche vorstellt, die alle Dienste fair behandelt.

Interessant am Rande übrigens: Die Entwickler geben sich auf der Website nicht zu erkennen. Von wem die Initiative nun ausgeht, und welche Entwickler wirklich daran beteiligt sind, lässt sich aktuell also nicht sagen. Fakt ist, das Plugin macht auf einen Umstand aufmerksam, der eine gewisse Brisanz hat – Google als (in der westlichen Welt) am häufigsten genutzte Suchmaschine hat die Macht, Nutzer weg von anderen Plattformen hin zum eigenen Netzwerk Google+ zu lenken. Eine Stellung, die nicht nur Wettbewerber zu denken geben sollte.

Streit um Facebook-Fanpages: IHK Schleswig-Holstein klagt gegen ULD

Ist das Betreiben einer Facebook-Seite oder die Einbindung der Social Plugins von Facebook datenschutzrechtlich zulässig? Die Vertreter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) denken nicht. Und begnügten sich in den letzten Monaten nicht nur mit entsprechenden Hinweisen in der Öffentlichkeit und Anfragen im Landtag, sondern verschickten im Dezember auch erste Verwarnungen und Abmahnungen. Eine davon ging an die Arbeitsgemeinschaft der IHKn Flensburg, Kiel und Lübeck. Die IHK Schleswig-Holstein hatte die ULD im Dezember um eine entsprechenden Abmahnung gebeten, um auf rechtlichem Weg dagegen vorgehen zu können. Das tut der Verband jetzt. Dabei steht in dem Verfahren im Vordergrund, die rechtliche Situation um den Einsatz von datenschutzrechtlich eventuell nicht mit dem deutschen Recht kompatiblen Social Netzworks zu klären. Keine leichte Aufgabe, die dem Gericht da aufgebürdet wird, doch die IHK will ein Ergebnis, dass den Weg für Unternehmen vorzeichnet. Darf man als Unternehmen eine Facebook-Seite betreiben oder die Social Plugins des Netzwerkes einsetzen?

Die IHK vertritt in Schleswig-Holstein rund 175.000 Unternehmen und sieht, würde man den Forderungen des ULD nachkommen, der aufgrund seiner landesrechtlichen Grenzen nur gegen Unternehmen und Vereinigungen in Schleswig-Holstein vorgehen kann, eine starke wettbewerbsrechtliche Beschränkung gegenüber Unternehmen in den anderen Bundesländern.

Anfang Dezember hatte der schleswig-holsteinische Landtag in einem juristischen Gutachten (PDF) den von der ULD vertretenen Standpunkt kritisiert, vertritt damit eine gegensätzliche Auffassung zur landeseigenen Datenschutzbehörde.

Swen Wacker vom landesblog.de verfolgt den Fall seit geraumer Zeit und hat eine Reihe von Artikeln dazu geschrieben – eine Leseempfehlung für all jene, die sich mit dem Thema auseinander setzen (wollen/müssen/…).

Gottschalk Live!, und das Netz ist begeistert.

Gestern feierte Thomas Gottschalk seinen Einstand bei der ARD. Nicht mit einer großen Abendshow, sondern mit seiner “Early-Latenight” Gottschalk Live!. Insgesamt wurde in den letzten zwei Jahren wohl kaum eine Show/Sendung mit so viel Spannung erwartet, wie diese. Und die Premiere glückte – den größten Kritikpunkt des Abends lieferte nicht Gottschalk, sondern die ARD: Die Show wirkte dank häufiger Werbeunterbrechungen (die typisch für die Uhrzeit in der ARD sind) und des Wetterblocks stark zerstückelt und gehetzt.

Gottschalk selbst lieferte eine Sendung ab, für die ihm alle Ehre gebührt – Wulff-, Koch-, und Eurorettungsschirm-frei, wie er versprach (und zumindest in der ersten Sendung hielt). Gut vorbereitet und auf die ihm typisch non-chalante Art erklärte er nicht nur den Tag, sondern auch die Internet-Einbeziehung in seine Sendung. Auffällig gerade dabei: Gottschalk spielte nicht den Oberlehrer, sondern den Kumpel, der den Computer und das Netz erklärt (“Irgendwann werde ich Ihnen erklären, was Hashtag bedeutet.”) – eine Art, die dem um die Sendezeit ankommt. Und dazu versprach Gottschalk: “Ich werde, das verspreche ich Ihnen, nach jeder Sendung eine halbe Stunde hier im Netz unterwegs sein [...] und würde dann sagen, was Sie von mir wissen wollen – erfahren Sie. Weil, wenn Sie die Sendung gucken, dann haben Sie das verdient.

Und so zeigt sich auch das Netz durchaus begeistert: “Ein besseres Format hätte Gottschalk nicht passieren können, eine bessere Sendung hätte dem Fernsehen auch nicht passieren können — und irgendwann werden wir auch merken, dass es das Beste ist, was dem Netz im deutschen Fernsehen bisher passiert ist”, fasst Medienexperte Daniel Fiene seine ersten Eindrücke von Thomas Gottschalks erster ARD-Sendung gestern Abend zusammen. Und Thomas Knüwer stimmt ein: “[mit der neuen Sendung hat Gottschalk] das Zeug, mehr für die Medienkompetenz der Deutschen zu tun als der Großteil der Restmedien im vergangenen Jahrzehnt.”
Etwas härter geht Sven Wiesner ins Gericht mit der Crew von Gottschalk: “Die Chance Social Media in eine Live-TV-Sendung wirklich effektiv und vor allem inhaltlich wertvoll zu integrieren wurde im ersten Anlauf leider verspielt. Mit Anfängerfehlern, denn ein Communitymanagement fand praktisch nicht statt, die Masse des Nutzerfeedbacks wurde scheinbar unterschätzt, teilweise bewusst ignoriert.” Im zugehörigen Blog-Artikel erläutert Wiesner ausführlicher wieso er zu dem Ergebnis kommt. In der Tat schaffte es während der gesamten Sendung auch nur ein Tweet ins Fernsehen, für eine interaktive Sendung muss hier sicherlich noch ein wenig mehr passieren.

Das Medienmagazin DWDL fällt am Ende der Sendung eine ausgewogene Kritik, in der vor allem die “Zerstückelung” der Show kritisiert wird. Will die ARD Gottschalk auf dem Sendeplatz wirklich eine Chance geben, sollte sie die Werbeformalitäten ihres Vorabends massiv überdenken.

Ob Gottschalk wirklich die erste erfolgreiche Verknüpfung zwischen Web und TV herstellen kann, bleibt abzuwarten – Daniel Fiene und Thomas Knüwer sind sich sicher, dass er es kann. Dafür allerdings benötigt Gottschalk Zeit. Am Premierenabend schauten 4,34 Millionen Deutsche zu – für den Sendeplatz ein Spitzenergebnis für die ARD. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, wie viele davon in den kommenden Wochen übrig bleiben. Auf Facebook hat die Sendung, die sich im sozialen Netzwerk äußerst aktiv zeigt, im Moment etwas über 16.000 Fans – hier ist noch Platz nach oben. Abzuwarten bleibt, was der tägliche Sendungsstreß mit einem Thomas Gottschalk und die Quotenerwartertungen der ARD mit der Sendung machen. Reden wir in 100 Tagen noch einmal – so lang gibt man zumindest einer Regierung im neuen Amt, Gottschalk hätte als einer der großen Moderatoren in Deutschland eine ähnliche Schonzeit absolut verdient.

Die erste Sendung vom gestrigen Abend lässt sich für sieben Tage in der ARD Mediathek abrufen.

Google lockert Klarnamen-Regel für Google+

Since launch we’ve listened closely to community feedback on our names policy“, schreibt Bradley Horowitz, Produktmanager für Google+, in einem aktuellen Eintrag. Mit diesem beugt sich Google dem Wunsch einer spezifischen Nutzergruppe, welche in den letzten Monaten hart mit der “Klarnamen-Regel” des Social Networks ins Gericht gegangen war.
Nun will Google in seinem Netzwerk auch die Angabe eines Nickname zulassen, was natürlich ein Unterschied zu einem Pseudonym ist (John “Maggie” Smith wäre ein Nickname, ein Pseudonym wäre ein Phantasienamen ohne Verbindung zum Original-Namen); Pseudonyme sollen nur dann zugelassen werden, wenn man diese nachweislich bereits in der Öffentlichkeit nutzt. Das dürfte für die meisten Internet-Nutzer eine Hürde sein, die sie so schnell nicht überwinden können. Somit ist dieser Schritt für die Gegner des Zwangs zur Angabe eines echten Klarnamens noch kein richtiger Sieg. Aber ein Schritt in die Richtung. Eine, deren Weg noch nicht verstellt ist. Denn am Ende seines Eintrags versichert Horowitz auch: “Today is a small step towards improving the ways in which you can communicate your identity on Google+. We will be listening to feedback from the community and will continue to refine all aspects of how we handle names and identity over the coming weeks, months and beyond.

Nebenbei übrigens bleibt eine eventuelle Änderung des Namens nicht auf Google+ beschränkt: “It’s important to remember that when you change your name in Google+, you’re changing it across all services that require a Google Profile“, was bedeutet: Maggie im obigen Beispiel wird auch in allen anderen Google-Services als Maggie sichtbar werden – bspw. in Google Mail oder der Suche, wenn er Freunden Inhalte empfiehlt.

Generell sollte man bei der Nutzung von Google+ konkret – egal ob es sich nur um die Angabe des Namens, oder der von Interessen handelt – immer auch im Kopf haben, dass sich die Suche von Google weiter auf das eigene Profil ‘einschießen’ wird und künftig entsprechende Anpassung von Ergebnissen vornimmt. Auch der Gedanke, ob man wirklich von den Spieler-Kumpels seines Alter-Ego ‘Knufortius’ aus WOW in G+ kommunizieren und auffindbar sein will, sollte eine Rolle bei der Änderung des Namens spielen. Wie immer, ist auch hier eine Differenzierung des Nutzungszwecks notwendig. In der Wahrnehmung etabliert sich Google+ neben Facebook eher als “seriöses” Netzwerk mit weniger Spaß-Inhalten. Ob sich dieser Trend auch bei zunehmender Nutzerbasis und einer kommenden offenen API halten kann, muss sich noch herausstellen.

Apple will das Schulbuch-System und Lernen revolutionieren.

Am Donnerstag präsentierte Apple das, was das Unternehmen selbst als die Zukunft des Schulbuches sieht. Und das, was Steve Jobs letztes großes Vermächtnis sein dürfte, der in seiner Biografie aufschreiben ließ, als nächstes den Schulbuchmarkt verändern zu wollen.

Mit den drei kostenfreien Programmen iBooks 2, iBooks Author und der iTunes U App präsentiert Apple Programme, mit denen vor allem Schüler und Studenten künftig lernen sollen.
iBooks 2 ermöglicht das konsumieren von Büchern auf Apple-Geräten, im Vergleich zur bisher bekannten Version können nun auch interaktive Elemente in die E-Books eingebunden werden.
iBooks Author bietet eine Desktop Publishing-Oberfläche, mit deren Hilfe einfach interaktive E-Books erstellt und anschließend via Apple-eigenem E-Book Store verteilt werden können.
iTunes U stellt eine einheitliche Oberfläche zur Verfügung, unter der man Unterrichtsmaterialien – Audio-, Video- und Buch-Material – verwalten kann.

Apples Vision: “Der Schüler der Zukunft hat ein iPad”. Steve Jobs hatte in seiner Biografie betont, ohne Bildung wäre er nicht dort angelangt, wo er am Ende beruflich stand – deshalb wolle er den Zugang zu Bildung vereinfachen. Mit den jetzt vorgestellten Tools macht es Apple in der Tat einmal mehr leicht Inhalte zu erstellen. Diese einfache Erstellung von eigenen Inhalten war trotz der engen Grenzen der Plattformen und Zugänge immer auch ein Augenmerk Apples – mittels GarageBand konnte einfach Musik erstellt werden, mittels iMovie Filme, … Jetzt eben Bücher, virtuelle.

Ob Apple mit der neuen Offensive den Markt für Schulbücher wirklich in einer Art revolutioniert, wie es dem Unternehmen bisher bei Musik und Filmen gelungen ist, wird sich zeigen müssen. Die Vielfalt an Anbietern, Abnehmern, Ansprüchen und nicht zuletzt auch die Vielzahl involvierter Lehrer dürfte eine ähnliche Erdrutschbewegung unwahrscheinlich machen.

Wie die anzunehmende E-Book Flut im Apple Ökosystem gemanagt wird, bleibt abzuwarten. Ein Erstes Fazit zieht Felix Schaumburg.

Jobs Biografie: Bundesverband kritisiert deutsche Übersetzung.

Sie hat Tausende Gabentische geschmückt und steht seit Wochen an der Spitze der
Bestsellerlisten: die Biografie des Apple-Gründers Steve Jobs.
Ursprünglich für einen späteren Veröffentlichungstermin geplant, schob man den Verkauf des Buches nach dem überraschenden Tod Jobs soweit nach vorn, wie nur irgend möglich. Eine Entscheidung, die für den Abverkauf und die trauernden Apple-Fans nur positiv sein konnte. Für die sechs Übersetzer in Deutschland bedeutete sie jedoch vor allem eins: Überstunden. Und die machen sich offenkundig in der Qualität bemerkbar, wie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. jetzt in einer Mitteilung bemängelt.

Nun kann man darüber streiten, ob das relevant sei oder nicht doch zu kleinbürgerlich. Oder wie viele Leser sich eventuell über einen Satz wie diesen wunderten: “Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt.” Wo die Geschichte erst anfängt, hört sie für die Übersetzer bereits auf – der Satz beinhaltet nämlich bereits zwei gravierende Mängel.
“Sein Aufstieg beginnt mit dem Bericht über zwei Elternpaare?”, fragt der Verband in der aktuellen Pressemitteilung (PDF) spitz. Und bemängelt mit den Worten ihres Pressesprechers
Alexander Heyn (zu Recht): “Das englische silicon (Silizium) und der deutsche Begriff Silikon sind sogenannte ‘falsche Freunde’, auf die man schon im Übersetzerstudium hingewiesen wird!

Der Verband bemängelt die handwerkliche Arbeit der Übersetzer und geht massiv mit ihnen ins Gericht. Nicht nur hätte man nicht sauber gearbeitet, auch geben die Fehler zum Teil ein falsches Bild über Jobs wieder.

“Die Steve Jobs-Biografie macht uns sehr deutlich bewusst, dass zwischen uns als Leser und dem Autor noch eine weitere, ungemein wichtige Instanz steht: der Übersetzer”, so der Verband in seiner Mitteilung.

Eine Liste der Fehler, oder die genaue Anzahl derer, bleibt der Verband im übrigen schuldig, verweist jedoch darauf, dass in der zweiten Auflage einige der bemängelten Dinge bereits behoben wurden.