medienrauschen, das; [Nomen] – ein Weblog rund um Neues und Lesenswertes aus den Themenbereichen Medien und Social Media

Buzzfeed zelebriert den Long Read

Nutzer im Web wollen kurze, knackige Texte.

Das zumindest ist die viel wiedergekaute These, und bei banalen Themen scheint es in der Tat so – Listen und in Fragmente aufgeteilte Texte sowie Slideshows erfreuen sich nicht ohne Grund hoher Beliebtheit.

Ganz dem Bedürfnis folgend hat Nick D’Aloisio mit seiner App Summly gezeigt, dass kurze News nicht nur gut ankommen, sondern sich mit Hilfe eines Algorithmus auch auf 400 Zeichen zusammendampfen lassen. Belohnt wurde der 17jährige nun durch den Verkauf seines StartUps an Yahoo.

Und während es neue StartUps wie das französische tldr.io (tldr, “To long, did’nt read”) gibt, dessen Nutzer Online-Texte in 800 Zeichen zusammenfassen sollen, zelebriert die Content-Schleuder-Curator-Plattform Buzzfeed den langen Text. So will die Plattform nicht mehr nur eine Community sein, auf der Content als Fast Food gereicht wird. Künftig erscheinen im neuen Ressort “Buzzreads” längere Reportagen und Essays.

Erstes Beispiel ist eine Reportage über Jeff Maryak, der wegen der wirtschaftlichen Situation in den USA nun wieder als Soldat in den Krieg ziehen will.

Blogger und das Leistungsschutzrecht

Das Leistungsschutzrecht hat nach dem Bundestag nun auch den Bundesrat passiert. Für die Macher so mancher Plattform und Blogs Grund genug, das Angebot dicht zu machen. Nicht ganz dicht macht das Lokalblog Heldenstadt aus Leipzig – doch es streicht seine tägliche Presseschau, ein Angebot, mit dem die Macher in den letzten 2 1/2 Jahren viele Fans fanden. Die Konsequenz fällt drastisch aus: Nicht nur macht Heldenstadt seine Presseschau dicht, man nimmt nahezu 1.200 Artikel der Vergangenheit aus dem Netz.

Ist das vorauseilender Gehorsam angesichts eines großen grauen Manns namens Leistungsschutzrecht? In den Kommentaren zur Ankündigung gibt es viele Stimmen, und das lokale Print-Magazin kreuzer nimmt den Artikel zum Anlass einer lesenswerten, kritischen Auseinandersetzung. Alexander Moritz fragt sich beim Studentenradio mephisto 97,6 gar: “Sterben die Nachrichtenblogs?“. Auch das Pottblog fragt sich, ob das #LSR Auswirkungen auf seine bekannten Links anne Ruhr hat.

Alt-Blogger Robert Basic sammelt aktuell in seinem Blog übrigens Stellungnahmen der großen deutschen Verlage, ob und inwieweit Blogger in deren Augen vom Leistungsschutzrecht betroffen sind. Lesenswert.

Studie: Wie schnell wachsen Facebook-Seiten?

Wie schnell wachsen Facebook-Seiten? Und welche Faktoren beeinflussen das Wachstum einer Seite? Würde mehr Interaktion mit Fans das Wachstum erhöhen? Diese Fragen gehören mit zu den drängensten eines Community-Managers. fanpagekarma.com hat sich 60.000 aktive Facebook-Seiten über einen Zeitraum von 3 Monaten angeschaut. Die Analyse soll herausfinden, warum Seiten verschiedene Wachstumsraten haben.
Studie: Wie schnell wachsen Facebook-Seiten?

Social Media-Nutzung von US-Teens

Mit einem Bericht über die Internet-/Social Media-Nutzung seiner Schwester, hat Josh Miller vor einigen Tagen für einiges an Aufsehen gesorgt. In seinem Posting auf Medium schreibt der Gründer von Branch, wie erstaunt er über so manchen Einblick war.
Während viele Blogs in den letzten Tagen auf diese Sichtweisen eingingen, schrieb Justin Hoenke eine Antwort. Und die lautete: “Josh’s sister and her friends are a lot different than the teens of Portland”. Hoenke ist Bibliothekar in Portland. Und in seinem Blog-Eintrag geht er auf die Nutzungsgewohnheiten von Teenagern ein, die er täglich in der Bibliothek an den Rechnern sitzen sieht.
Spannende Lektüre.
Und ein Endergebnis: Teens ticken anders. Wie genau, ist immer abhängig von Kultur, Bildungsgrad und dem, was Teens gern als “Coolness” bezeichnen …

Medienkrise in Deutschland: ‘Frankfurter Rundschau’ meldet Insolvenz an

DER SPIEGEL berichtet, dass das Traditionsblatt “Frankfurter Rundschau” vor dem Aus stehe. Informationen des Nachrichtenmagazins zufolge hat die im DuMont-Imperium für die Zeitung zuständige ‘Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH’ am Morgen Insolvenz angemeldet. Angestellte sollen noch heute auf einer Betriebsversammlung informiert werden.
Wie es mit der defizitären Tochter und Zeitung weiter geht ist fraglich – seit Monaten krankt die Frankfurter Rundschau. Vor einem Jahr hatte man die Redaktionen verkleinert und den Mantel-Teil der FR von der Berliner Zeitung produzieren lassen. Als Vorbote, dass DuMont Änderungen bei der FR plane hatte man bereits die Installation eines neuen Chefredakteurs im Juni diesen Jahres gesehen.

Update: Mittlerweile ist obige Meldung offiziell. Bis Januar sind die Gehälter gesichert, sollte sich bis dahin kein Investor finden wird die FR wohl ihr Ende finden.
Am Nachmittag hat sich die Belegschaft mit einem offenen Brief an die Leser gewandt: “Es ist nicht das Ende der FR”.

Soziale Netzwerke aus Deutschland: Abwärtstrend hält an.

Facebook lässt den deutschen Wettbewerbern keinen Raum zu atmen. Nutzer tummeln sich zunehmend lieber auf dem internationalen Netzwerk statt dessen deutschen Alternativen.
Die VZ-Netzwerke führen den Reichweitenverlust mit 72 Prozent an – sie verloren binnen Jahresfrist Dreiviertel ihrer Besucherzahlen. Auch Wer-kennt-wen und die Lokalisten müssen mit einem dicken Minus leben. Stayfriends kann sich dazu im Vergleich gut halten – die primäre Aufgabe des Netzwerkes mit alten Schulfreunden in Kontakt zu kommen funktioniert auch in Zeiten von Facebook gut, da die Vorbehalte der deutschen Seite gegenüber insb. in der älteren Zielgruppe weniger groß sein dürften als gegenüber Facebook.
Auffallend: Xing bleibt stabil, kann die Zahl der Besuche gar steigern. Allerdings: Die Zahlen beim Business-Netzwerk sind seit dem Sprung im Dezember recht stabil. Können die VZ-Netzwerke ihren Abwärtstrend jedoch nicht stoppen hat Xing sie demnächst eingeholt. Die Lokalisten liegen – trotz der reichenweitenstarken Muttergesellschaft ProSiebenSat.1 – schon immer hinter dem Spezialnetz.

Quelle: Statista

MySpace versucht den Neustart

“We’re hard at work building the new Myspace, entirely from scratch.” – mit diesen Worten und einem Video verkündet MySpace seinen Neustart. Das Netzwerk, einstmals Nummer 1 der Social Networks, ist seit Juni 2011 im Besitz der Specific Media, die das strauchelnde Netzwerk von News Corp. übernommen hatte.
Offenkundig hat der neue Besitzer massiv investiert. Ein erster Erfolg konnte man bereits Anfang 2012 vermelden: So war es gelungen den Abwärtstrend der Nutzerzahlen aufzuhalten und zu stabilisieren. Etwas, dass dem deutschen StudiVZ bisher nicht gelungen ist.

Nun versucht MySpace den Neustart – und was Specific Media da im Video zeigt, ist vor allem auf technologischem Level durchaus beeindruckend und “schick”. “But pretty things don’t win”, schreibt Techcrunch. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob es ausreicht gute Technologie an den Start zu schieben. Trotz überlegener Features und einem besseren Datenschutz-System kann Google+ nach über einem Jahr noch immer nicht auf Community-Basis überzeugen. MySpace hat allerdings bereits einen großen Inhalte-Vorteil: Hinter Specific Media steht eine Gruppe, der u.a. Justin Timberlake angehört. Mit den richtigen Beziehungen ins Musik-Business könnte MySpace durchaus einen Appeal zurück gewinnen und ausbauen, der Nutzer zurück zum Netzwerk zieht.

Für einen Preview registrieren kann man sich seit heute Nacht unter new.myspace.com, und selbst, wenn das Netz aktuell lacht – MySpace hat es in den letzten Monaten durchaus geschafft, sich als veritables Nischennetzwerk zu etablieren; diese Nische könnte man mit einem guten, der jungen Zielgruppe der iPod-Nutzer gerechten, Design durchaus stärker beleben …

Der überfällige Aufstieg des QR Codes

Seit 2007 bereits kämpfen QR Codes um die Aufmerksamkeit der Werbeindustrie und Konsumenten. Jetzt, dank Smartphones, sind sie (endlich?) in der breiten Öffentlichkeit angekommen.
Die Vorteile des Codes liegen auf der Hand – lassen sich in ihm doch URLs ebenso wie Texte hinterlegen.
Und so gibt es kaum eine Messe mehr, bei der keine QR Codes kleben. Kaum ein Werbeplakat, dass nicht einen Link inklusive QR Code vorbetet. Und auch auf Alltagsprodukten wie Cornflakes, Brot und Marmelade prangt der viereckige Pixelcode zunehmend. Entkommen: Unmöglich.

Das hat Konsequenzen. Denn mit der zunehmenden Verbreitung steigt auch tatsächlich die Nutzung der QR Codes. Einer aktuellen ComScore-Studie zufolge scannte im Mai bis Juli nahezu jeder fünfte deutsche Smartphone-Nutzer (18,6 Prozent) einen QR-Code mit seinem mobilen Gerät. Damit steht die Code-Technik nach all den Jahren sehr hoch in der Gunst der Deutschen. Betrachtet man Europa, ist die Akzeptanz hierzulande erstaunlicherweise sehr hoch – der europäische Nutzungsschnitt liegt darunter: Spanien 16 Prozent, Frankreich 12,5 Prozent, Italien 11,9, Großbritannien gar nur 10 Prozent.
Deutsche mögen Pixel.

Dass die Zukunft des QR Codes noch vor einem Jahr überhaupt nicht rosig aussah, davon zeugen Prognosen und dieser Wert: Denn ComScore vergleicht die Zahlen mit seiner Erhebung von 2011. Demnach stieg die Nutzungsrate gegenüber dem Vorjahr in Deutschland um 128 Prozent.

Gefragt sind beim Scannen übrigens vor allem Produktinformationen (71 %), gefolgt von Veranstaltungsinformationen (knapp 32 %) und Coupons bzw. Angeboten (19 %).

Zack und Weg: VZ-Netzwerke gehen an Investor

Ausverkauf im End-Sommer: Seit Monaten wird über die Zukunft der VZ-Gruppe spekuliert. Nun geht es recht fix: Obwohl Eigner Holtzbrinck in den letzten Monaten den Plan auf Eis gelegt hatte, die kriselnden Netzwerke verkaufen zu wollen – jetzt ist Schluss.
studiVZ, meinVZ und schuelerVZ gehen an die Investmentgesellschaft Vert Capital Corp.

Den Deal haben beide Firmen nicht nur angekündigt, sondern bereits durchgeführt. Über den Preis der drei Netzwerke wurde Stillschweigen vereinbart – ohne Verluste wird Holtzbrinck aber wahrscheinlich nicht auf dem Abenteuer gekommen sein. Auch wenn man schuelerVz weiter nutzen darf, wie es heisst – und was auch immer es bedeutet.

Vert Capital hat mit den VZ-Netzwerken einiges vor. Das Unternehmen, welches nach eigenen Angaben eine Vielzahl von digitalen Angeboten betreibt und im Bereich Social Media weiter wachsen will, plant, den Funktionsumfang für die Nutzer zu erweitern und die Netzwerke auszubauen.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hatte die StudiVZ-Gruppe im Mai 2009 übernommen. Damals war ebenfalls Stillschweigen über den Preis vereinbart worden, Experten gehen jedoch von einer Kaufsumme von ca. 100 Mio. Euro aus. Seitdem Einstieg von Facebook in Europa lässt das Netzwerk sowohl um Innovationskraft als auch Reichweite vermissen.

“Lex Springer”: Bundeskabinett stimmt Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht zu

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das Leistungsschutzrecht für deutsche Verlage beschlossen.
Damit beendet man ein jahrelanges ringen um ein höchst umstrittenes Gesetz. Nach dem Beschluss müssen Bundestag und Bundesrat den Entwurf nun debattieren.

Der Gesetzentwurf sieht den Schutz von Presseerzeugnissen im Internet gegenüber gewerblichen Betreibern von Suchmaschinen und News-Aggregatoren vor. Dies betrifft Suchmaschinen in der Art von Google ebenso wie Aggretgatoren wie Rivva.de, die durch die Nutzung sog. Snippets durch das Gesetz lizenzpflichtig gegenüber den Verlegern von Presseinhalten würden.

Was das Leistungsschutzrecht ist, und wozu es führt, erklärt die aktuelle Ausgabe des Elektrischen Reporters

heise.de: Regierung verabschiedet Gesetzentwurf
D64: Kabinett beugt sich Verlegerlobby, beschließt umstrittenes Leistungsschutzrecht
Aktionen: IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht sowie Leistungsschutzrecht stoppen