Muenchen.de: Und plötzlich war die Facebook-Seite weg.

Die Abhängigkeit von Unternehmen an das Goodwill von Facebook ist groß. Die Investitionen in eine Unternehmensseite beim Social Network-Giganten ist ein Risiko – denn Schutzmechanismen kennt Facebook so gut wie keine. Es gibt keine Verifikation (wie bspw. bei Google+) und Administratoren können im Alleingang, ohne Nachfrage oder Sicherungsmechanismen, Unternehmensseiten mit zwei Klicks löschen. Und am Ende stehen die Wächter von Facebook selbst – die Unternehmensseiten ohne Mühe, und vor allem ohne vorherige Warnung oder Mahnung löschen. Weg die Seite, Weg die Fans, Weg die Investitionen in Pflege oder Werbung.

Dass dieses Spiel mit dem “Guten Willen” und dem Vertrauen manchmal verloren werden kann, zeigt die Facebook-Seite von Muenchen.de aktuell. Beziehungsweise: Es zeigt sie nicht. Denn seit vergangenem Freitag ist die mit über 400.000 Fans stark vernetzte Seite verschwunden. Nach Angaben von Lajos Csery, Geschäftsführer der Beteibergesellschaft von muenchen.de, von Facebook gelöscht. Ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, ohne vorherigen Kontakt.

Einen identischen Fall gab es beim österreichischen Radiosenders ‘Antenne Vorarlberg’. Dort hatte Facebook die Seite mit rund 20.000 Fans ebenfalls über Nacht abgeschaltet, die Kommunikation hatte die kleine Funkstation am Ende aufgegeben und einfach neu angefangen – mittlerweile weist man wieder 10.000 neue (und alte) Fans aus.

Insbesondere der aktuelle Fall um muenchen.de zeigt, dass Facebook dringend seine Arbeitsweise im Umgang mit Unternehmen überarbeiten muss. Diese werden in der Regel bei Problemen auf weiter Flur allein gelassen. Insbesondere bei der Abschaltung oder Löschung von Seiten müssen Sicherheitsmechanismen und Mahnverfahren erdacht und eingebaut werden, nicht zuletzt um die Investitionen der Firmen zu schützen.

Dabei ist relativ unerheblich, ob ein Unternehmen direkt Werbung schaltet oder nicht – eine “Garantie” zum Erhalt einer Seite stellt dies nicht da, Investitionen erfolgen auch in Form von Gewinnspielen, Applikationen und redaktionellen Inhalten. Facebook bietet aktuell kein “Backup-System”, keine Verifizierung und keine Sicherheitsmechanismen an, die das Löschen einer Seite sowohl durch Facebook als auch einen Administrator durch eine Zwischeninstanz sichern. Ein Risiko, mit dem Unternehmen nicht immer erfolgreich leben – denn die Zahl solcher Löschungen durch Facebook ist höher, als der aktuelle Einzelfall muenchen.de, nur ist hier eine Seite mit wesentlicher Fanzahl betroffen.

Google+ setzt Seiten zuweilen auch ohne Ankündigung “offline”, wenn es seitens Google Bedenken an der Seite gibt. Allerdings bietet das Netzwerk den Administratoren dann zumindest ein Formular an, über welches direkter Kontakt aufgenommen werden und der Fall (unserer Erfahrung nach) recht schnell behandelt werden kann.

Happy Birthday, Facebook

Acht Jahre alt wurde das weltgrößte Social Network am Sonntag. Am 04.02.2004 stellte Mark Zuckerberg die erste Version des Netzwerkes unter thefacebook.com ins Netz. Der Start einer Erfolgsgeschichte, die sich wohl nur mit jener einer kleinen Suchmaschine namens Google vergleichen lässt.
allfacebook.de hat einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungsstationen von Facebook – der nächste bedeutende dürfte der bevorstehende Börsenstart des Netzwerkes sein.

Twitter führt eigene Filter-Infrastruktur ein – filtert Tweets künftig länderspezifisch.

Während das Netz sich gemeinsam gegen SOPA und PIPA stark macht erschafft Twitter seine ganz eigene Zensur-Infrastruktur.

Mit recht lapidaren Worten leitet Twitter einen aktuellen Blog-Eintrag ein, der es in sich hat: “Während wir weltweit wachsen, treffen wir auf Länder, die andere Ansichten über die freie Meinungsäußerung haben”. Bisher, so Twitter, habe man Inhalte, die nicht “gut” waren global entfernen müssen. Eine neue Infrastruktur erlaube es jetzt jedoch, fragliche Inhalte in spezifischen Ländern zu filtern. Angeführt werden im Blog Pro-Nazi-Inhalte, die in Deutschland verboten seien.

Twitter muss wachsen. Dafür muss es auch in Länder, die in der Tat andere Vorstellungen von freier Rede haben. China zum Beispiel, wo längst ein einheimischer Dienst den Markt erobert, der sich dem Diktat der chinesischen Regierung beugt. Das ein global agierendes Unternehmen länderspezifische Filter einsetzt, ist nicht neu. Man wende den Blick einfach in Richtung Google – die Suchmaschine filtert zum Beispiel einen Großteil von Inhalten, welche in die von Twitter angeführten Pro-Nazi-Schublade passen. Passagen aus “Mein Kampf” wird man in der deutschen Google-Version wesentlich schwerer finden, als bspw. in den USA.

Twitter verspricht, sehr offen damit umzugehen, welche Inhalte man wo filtert. Wie dies praktisch aussieht, darauf gibt das Unternehmen auf einer ersten Hilfe-Seite Antwort.

Der Vorstoß von Twitter ist, für das Netz, im Grunde nicht neu. Andere große Netz-Unternehmen beugen sich bei ihren internationalen Ausflügen bereits den lokalen Ansichten freier Meinungsäußerung – egal, ob in China, dem Nahen Osten oder eben auch in Deutschland.
Bei Twitter nur liegt eine besondere Brisanz in der Luft. Zum einen spielte der Dienst im Rahmen des arabischen Frühlings eine große Rolle – über Dienste wie Twitter und Facebook hatten sich Demonstranten organisiert. Werden derlei Inhalte nun auf Basis von politischem Druck blockiert? Kitzlig auch: Twitter hatte erst im Dezember den Einstieg des saudiarabischen Prinz Alwaleed bin Talal al-Saud bekannt gegeben, der sich über seine Kapitalgesellschaft mit 300 Mio. Dollar an dem Dienst beteiligte. Die saudiarabische Königsfamilie war im Zuge des Arabischen Frühlings gegen Aufständige vorgegangen und hatte Bahrain bei Unruhen mit Soldaten unterstützt.

Auf der anderen Seite geht kaum eines der Unternehmen, die auf Filter setzen, so offensiv mit der Einführung eben dieser um. Mangelnde Transparenz, auch dauerhafte bei der Anzeige, welche Inhalte in welchem Land blockiert sind, kann man Twitter nicht vorwerfen. Trotzdem ist der Aufschrei in der Netzgemeinde durchaus groß, da Nutzer den Dienst immer als freies Feld für freie Meinungsäußerungen und gesehen haben. Egal ob Augenzeugenberichte von Katastrophen oder Nachrichten von den Aufständen – Twitter hat sich in den letzten Jahren zunehmend als unreflektiertes, aber oft einziges Schaufenster in die Welt aufgetan, in die normale Nachrichtenwege nicht funktionierten. Mit der Einführung der Filtermöglichkeiten stellt Twitter nicht nur seine Unabhängigkeit sondern auch den Wahrheitsgehalt, den getickerte Informationen bspw. bei einer Suche liefern, in Frage.

Aktuell formt sich ein starker Protest gegen Twitter. Der chinesische Aktivist Ai Weiwei hat bereits bekannt gegeben, Twitter nicht mehr zu nutzen, sollte man an der Einführung der Filter festhalten.

FC Bayern verärgert Fans mit über-inszeniertem App-Launch.

Die Idee ist nicht dumm: Mit einer neuen Facebook-Applikation will der FC Bayern seine Fans würdigen und zeigen, wie wichtig sie dem Verein sind. Doch der Auftakt zur Bekanntgabe konnte nicht schlechter laufen – den hat der Verein nämlich gehörig über-inszeniert.

Die “The New FCB Star” benannte App erlaubt es Fans, in die Rolle eines Spielers beim Bundesliga-Spitzenverein zu schlüpfen. In mehreren Etappen (die nächste, das ‘Training’ wird in 12 Tagen starten) soll der Nutzer als Offensiv-Spieler ins Team integriert werden.

So gut die Applikation gemacht ist, so viel Empörung löste die Vorstellung der App bei den Fans aus. Denn der Verein kündigte heute Vormittag die spektakuläre Verpflichung eines neuen Offensiv-Spielers an, was nicht nur auf Twitter zu diversen Spekulationen führte – so fragten Nutzer bspw. Redaktionen an, ob die bereits etwas wüßten. Um 14 Uhr startete dann eine Online-Pressekonferenz, die exklusiv auf Facebook übertragen wurde. Im Video kündigen Markus Hörwick, Pressesprecher des Vereins, Christian Nerlinger, Sportdirektor, und Philipp Lahm, Mannschaftskapitän, den neuen Kollegen an – der kann “aus Gründen” leider nicht live dabei sein. Am Ende des kurzen Videos jedoch wird ein Bild des neuen Spielers gezeigt – das Profilbild des Facebook-Nutzers.
Anschließend geht es mit Video-Aussagen einiger FCB-Stars weiter, die den neuen “Spieler” begrüßen, und Name sowie Profilbild werden in verschiedenen Medien im Video gezeigt.

Der Coup für die App und die App selbst sind gut, doch mit dem Kernthema “neuer Spieler” sollte man Fussballfans zum Ende der Transfer-Saison offenkundig nicht unbedingt foppen. Soviel Gespür hätte bei dem Thema beim Verein durchaus vorhanden sein müssen. Insgesamt versammelt der FCB 2,7 Mio. Fans auf seiner Facebook-Seite. Eine recht große Zahl derer fühlt sich von der Form der Verkündung eher ‘veräppelt’ und lädt seinen Frust aktuell im Sekundentakt auf der Pinnwand des Vereins ab.

Mit der neuen App will der FC Bayern unterstreichen, wie wichtig die Fans ihm sind: Der Fan als Zwölfter Mann, mit der traditionsreichen “8″ auf dem Rücken. Der Auftakt ist etwas schief gegangen – Aufmerksamkeit jedoch hat er generiert. Wird sich zeigen, wie die Fans in 12 Tagen auf die nächste Inszenierungsstufe ansprechen.

Die Wut der Fans rührt offenkundig vor allem daher, dass der Verein mit einer von vielen Fans gesehenen Not spielt – so fehlt den Fans offenbar ein weiterer Offensiv-Star im Team. Diese Not für PR-Zwecke zu nutzen ist in keiner Sportart eine gute Idee. Hier hätte es unter Umständen etwas mehr Sensibilität seitens der Vereinskommunikatoren bedarf. Unabhängig von diesem Punkt kann man den FCB eigentlich nur loben – sowohl App als auch Inszenierung sind im Grunde durchaus gelungen und gute Ideen. Die Aktion und Reaktion zeigt nur deutlich, dass eine gute Idee leider nicht alles ist – man sollte die eigenen Fans auch soweit kennen, dass man nicht mit ihrer Not spielt.

Facebook deckt Nutzer mit ‘Timeline’ ein.

Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Facebook drückt in den kommenden Wochen seine neue Profil-Timeline Chronik für alle Nutzer durch. Der Schritt war absehbar – trotzdem murrt es im Netz, denn die neue Art der Datenaufbereitung für Profile gefällt nicht jedem. Journalisten wetteifern um die besten Superlativen, wenn es um die neue Chronik geht – schockierend, dreist (FAZ v. 26.01., S. 35), gläsern … Etwas weniger Panik hätte auch gut getan. Sinnvoller wäre eher eine Schaufel voll Medienkompetenz gewesen. Wie hier.
Wann und ob es die neue Ansicht auch für Facebook Pages gibt, darüber darf weiter spekuliert werden, Facebook äußert sich nicht.

Zum Thema:
ZDF Hyperland
Futurebiz

Google will Alles.

Google packt den Hammer aus: Am Dienstag Abend gab das Unternehmen aus Mountain View bekannt, dass man künftig alle Daten der eigenen Dienste zusammenführen wird und Nutzerdaten aus GMail, Suche, YouTube und anderen Services kombiniert.
Nutzer können sich von diesem Schritt nicht ausnehmen, ein Opt-Out ist nicht vorgesehen oder möglich.

Die Ankündigung klingt harmlos, ist jedoch ein radikaler Schritt: Google hat die Nutzungsbedingungen seiner Dienste gestrafft und vereinfacht – “easier to read, easier to understand”. Statt für jeden Dienst eine eigene Datenschutz-Richtlinie gibt es künftig eine für alle Dienste. Doch dahinter verbirgt sich noch etwas – das Zusammenführen von Daten eines Nutzers (mit Google Profil) aus all den von ihm genutzten Diensten. Für Google ist dieser Schritt eine logische Konsequenz aus dem, was Google zuletzt mit Google+ und der sozialen Suche bereits technisch und mit der Google-Bar auch optisch, eingeleitet hat. Es ist ein absehbarer Schritt.
Mit der Zusammenführung erstellt Google endgültig ein zentrales Profil für jeden Nutzers, das Informationen von einem Dienst zum anderen reicht. Etwas, das man selbst als stets verfolgter und getrackter Nutzer innerhalb des Google-Netzwerkes in dem bevorstehenden Ausmaß noch nicht kannte. Innerhalb von Google konnte das Unternehmen bisher zwar auch bereits eindeutig nachvollziehen, was ein Nutzer mag, für Mails bekommt, Videos konsumiert und sucht – mit der neuen Richtlinie will es diese Informationen künftig jedoch auch offensiv zusammenführen und nutzen dürfen.

Die neue Datenschutz-Regelung schließt Android-Nutzer, die ihr Telefon mit dem eigenen Google-Account verknüpft haben, mit ein. Einzige Ausnahmen vom Schritt der ‘global privacy police’ sind Google Wallet, der Chrome Browser sowie Google Books. Durch die Verbindung der Dienste, die auch das Werbenetzwerk von Google mit einschließen, werden weitere Personalisierungen in Werbung, Suche und anderen Diensten möglich.

Google propagiert den Schritt mit dem Erlebnisfaktor. Das Google-Netzwerk soll für Nutzer eine “simpler, more intuitive Google experience” bieten. Mit dem Schritt schafft der Suchprimus ein endgültig zusammenhängendes Google Eco-System, dessen zentrale Verwaltung Google+ werden dürfte. Dass man Nutzer lieber und durchaus gut im eigenen Eco-System halten kann, zeigen aktuell vor allem Apple und Facebook.

Die neuen Richtlinien und die Zusammenführung wird zum 1. März stattfinden.
Es wird spannend zu sehen sein, welches Ausmaß an Gegenwind Google aufgrund dieser Ankündigung aus der Netzgemeinde in den nächsten Tagen entgegen kommt – das sonst vom Konzern propagierte Motto “Don’t do evil” dürften sich die Angestellten in den nächsten Tagen des öfteren um die Ohren schlagen lassen müssen.

McDonalds: Verbrannter Hashtag in der Burger-Küche.

Dass Inhalte nicht mehr den Unternehmen gehören, daran müssen sich einige Firmen erst noch gewöhnen. Ebenso wie an den Gedanken, dass eine Idee im Social Web lang nicht mehr so leicht steuerbar ist, wie man im Vorweg eventuell glauben will.
Nun birgt das Social Web nicht unbedingt übermäßige Gefahren, dennoch sollte bedacht werden, welche Konsequenz sich aus einer Idee entwickeln kann – sowohl positiv, als auch negativ. Trotzdem passiert es hin und wieder, dass bei der Entwicklung einer Idee kurz gedacht wird oder man den “Trollfaktor” nicht einberechnet. Denn unter den Nutzern werden sich immer auch einige finden, die eine Idee “umkehren” und – in den Augen des Unternehmens – gegen das Unternehmen richten. So geschehen beispielsweise im letzten Jahr bei einer Kampagne von Pril, bei dem plötzlich “Pril Brathähnchen Geschmack” in einem Uservoting ganz vorn lag.

Mit einem ähnlichen “Umkehreffekt” hat nun auch die Burgerkette McDonald’s zu kämpfen. Und das ganz unaufgefordert, denn ursprünglich hatte man Nutzer nicht einmal zum mitmachen aufgefordert. Doch die kamen.

Am Mittwoch hatte McDonald’s auf seinem Twitter-Account den Hashtag “#McDStories” genutzt, um seine neue Imagekampagne mit Videos über seine Lieferanten und die Güte des eigenen Essen zu twittern.
Insgesamt gab es gerade einmal zwei Tweets: Eins, Zwei.
Diese verteilte man nicht nur an die eigenen Follower, sondern auch über das Promoted Tweets-Programm von Twitter, der bei der Suche nach einem Thema oder Hashtag den bezahlten Tweet immer an oberste Stelle setzt. Nutzer griffen den Hashtag auf, um ihre eigenen “McD Stories” zu erzählen. Und “within an hour, we saw that it wasn’t going as planned”, wie es McDonald’s Social Media Director Rick Wion gegenüber paidcontent.org ausdrückt.
Denn die Nutzer fingen nicht an, über tolles Essen zu twittern, sondern über entlassenen Freunden, Fingernägeln im Essen, Magenproblemen und andere negative Geschichten rund um die Burgerkette.
Selbst sechs Tage nach dem Original-Tweet hält sich die Welle, wenn auch immer kleiner werdend, noch auf der Plattform.

Stellt sich die Frage: Kann McDonalds etwas dafür?
Der parallel zu gleichen Promotion-Zwecken publizierte Tweet mit mit dem Hashtag #MeetTheFarmers bekam zwar auch zum Teil negatives Feedback, nicht jedoch in der Wucht, wie es bei #McDStories über McDonald’s herein brach. Am Ende testete das Social Media Team, welcher Hashtag mehr Aufmerksamkeit gewinnen würde. Und Gratulation, es gibt einen Gewinner! Würde man nach alten Marketingregeln gehen, gälte an dieser Stelle: Besser schlechte PR als gar keine. Fakt ist, McDonalds hat zum Teil gegen ein schlechtes Image anzukämpfen – ungesundes, nicht schmeckendes Essen und schlecht bezahltes Personal sind die wahrscheinlich häufigsten Vorwürfe. Damit in einem Franchise-Unternehmen aufzuräumen ist keine Aufgabe, die leicht ist. Der erzeugte Gegenwind dürfte für die Kette also keine gänzlich neue Erkenntnis sein, und das Unternehmen dürfte ohne nennenswerte Schäden aus der Geschichte kommen. Trotzdem verdeutlicht es allerdings: Social bedeutet auch, mit Gegenwind rechnen zu müssen und damit umgehen zu können. Auch, wenn er sich aus einem vermeidlich banalen Hashtag ergibt. Und: Einmal ein Hashtag gesetzt, lässt sich dieser nicht mehr umkehren oder löschen. Für alle, die in der letzten Woche auf die Anzeige von McDonald’s geklickt haben, dürfte es höchst überraschend gewesen sein, in einer Werbekampagne zu landen, welche die negativen Eindrücke eines Unternehmens hervorhebt …

Am Ende der Woche twitterte McDonalds übrigens: “TGIF” – Thank God it’s Friday! Kann man verstehen …

Fairness gefragt: Plugin erweitert Googles soziale Suche.

Mit dem Start seiner sozialen Suche, die Ergebnisse anhand der eigenen Google+-Informationen aufwertet, bevorzugt Google klar die Inhalte aus dem eigenen Netzwerk vor allen anderen Seiten. Ein Fakt, der nicht nur bei manchem Nutzer für kritische Stimmen sorgt – auch Twitter wetterte nur wenige Stunden nach der Ankündigung der neuen Suche massiv gegen Google. Brisant: Google hatte einen Vertrag über die Live-Einbindung von Tweets in die Suchergebnisse zuvor auslaufen lassen.

Nun haben sich unter der Initiative “Focus on the User” nach eigenem Bekunden “einige Entwickler von Twitter, Facebook und MySpace” zusammen getan und liefern ein Browser-Plugin, dass die soziale Suche Googles um Angaben aus ihren Netzwerken erweitert. Dabei werden keine Live-Daten ausgegeben – vielmehr greift das Plugin die normale Suche von Google nach Ergebnissen ab und bindet diese wieder in die Google-Ergebnisseite ein. Man nutzt so im Grunde Google gegen Google und zeigt, wie man sich eine wirklich soziale Suche vorstellt, die alle Dienste fair behandelt.

Interessant am Rande übrigens: Die Entwickler geben sich auf der Website nicht zu erkennen. Von wem die Initiative nun ausgeht, und welche Entwickler wirklich daran beteiligt sind, lässt sich aktuell also nicht sagen. Fakt ist, das Plugin macht auf einen Umstand aufmerksam, der eine gewisse Brisanz hat – Google als (in der westlichen Welt) am häufigsten genutzte Suchmaschine hat die Macht, Nutzer weg von anderen Plattformen hin zum eigenen Netzwerk Google+ zu lenken. Eine Stellung, die nicht nur Wettbewerber zu denken geben sollte.

Streit um Facebook-Fanpages: IHK Schleswig-Holstein klagt gegen ULD

Ist das Betreiben einer Facebook-Seite oder die Einbindung der Social Plugins von Facebook datenschutzrechtlich zulässig? Die Vertreter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) denken nicht. Und begnügten sich in den letzten Monaten nicht nur mit entsprechenden Hinweisen in der Öffentlichkeit und Anfragen im Landtag, sondern verschickten im Dezember auch erste Verwarnungen und Abmahnungen. Eine davon ging an die Arbeitsgemeinschaft der IHKn Flensburg, Kiel und Lübeck. Die IHK Schleswig-Holstein hatte die ULD im Dezember um eine entsprechenden Abmahnung gebeten, um auf rechtlichem Weg dagegen vorgehen zu können. Das tut der Verband jetzt. Dabei steht in dem Verfahren im Vordergrund, die rechtliche Situation um den Einsatz von datenschutzrechtlich eventuell nicht mit dem deutschen Recht kompatiblen Social Netzworks zu klären. Keine leichte Aufgabe, die dem Gericht da aufgebürdet wird, doch die IHK will ein Ergebnis, dass den Weg für Unternehmen vorzeichnet. Darf man als Unternehmen eine Facebook-Seite betreiben oder die Social Plugins des Netzwerkes einsetzen?

Die IHK vertritt in Schleswig-Holstein rund 175.000 Unternehmen und sieht, würde man den Forderungen des ULD nachkommen, der aufgrund seiner landesrechtlichen Grenzen nur gegen Unternehmen und Vereinigungen in Schleswig-Holstein vorgehen kann, eine starke wettbewerbsrechtliche Beschränkung gegenüber Unternehmen in den anderen Bundesländern.

Anfang Dezember hatte der schleswig-holsteinische Landtag in einem juristischen Gutachten (PDF) den von der ULD vertretenen Standpunkt kritisiert, vertritt damit eine gegensätzliche Auffassung zur landeseigenen Datenschutzbehörde.

Swen Wacker vom landesblog.de verfolgt den Fall seit geraumer Zeit und hat eine Reihe von Artikeln dazu geschrieben – eine Leseempfehlung für all jene, die sich mit dem Thema auseinander setzen (wollen/müssen/…).

Gottschalk Live!, und das Netz ist begeistert.

Gestern feierte Thomas Gottschalk seinen Einstand bei der ARD. Nicht mit einer großen Abendshow, sondern mit seiner “Early-Latenight” Gottschalk Live!. Insgesamt wurde in den letzten zwei Jahren wohl kaum eine Show/Sendung mit so viel Spannung erwartet, wie diese. Und die Premiere glückte – den größten Kritikpunkt des Abends lieferte nicht Gottschalk, sondern die ARD: Die Show wirkte dank häufiger Werbeunterbrechungen (die typisch für die Uhrzeit in der ARD sind) und des Wetterblocks stark zerstückelt und gehetzt.

Gottschalk selbst lieferte eine Sendung ab, für die ihm alle Ehre gebührt – Wulff-, Koch-, und Eurorettungsschirm-frei, wie er versprach (und zumindest in der ersten Sendung hielt). Gut vorbereitet und auf die ihm typisch non-chalante Art erklärte er nicht nur den Tag, sondern auch die Internet-Einbeziehung in seine Sendung. Auffällig gerade dabei: Gottschalk spielte nicht den Oberlehrer, sondern den Kumpel, der den Computer und das Netz erklärt (“Irgendwann werde ich Ihnen erklären, was Hashtag bedeutet.”) – eine Art, die dem um die Sendezeit ankommt. Und dazu versprach Gottschalk: “Ich werde, das verspreche ich Ihnen, nach jeder Sendung eine halbe Stunde hier im Netz unterwegs sein [...] und würde dann sagen, was Sie von mir wissen wollen – erfahren Sie. Weil, wenn Sie die Sendung gucken, dann haben Sie das verdient.

Und so zeigt sich auch das Netz durchaus begeistert: “Ein besseres Format hätte Gottschalk nicht passieren können, eine bessere Sendung hätte dem Fernsehen auch nicht passieren können — und irgendwann werden wir auch merken, dass es das Beste ist, was dem Netz im deutschen Fernsehen bisher passiert ist”, fasst Medienexperte Daniel Fiene seine ersten Eindrücke von Thomas Gottschalks erster ARD-Sendung gestern Abend zusammen. Und Thomas Knüwer stimmt ein: “[mit der neuen Sendung hat Gottschalk] das Zeug, mehr für die Medienkompetenz der Deutschen zu tun als der Großteil der Restmedien im vergangenen Jahrzehnt.”
Etwas härter geht Sven Wiesner ins Gericht mit der Crew von Gottschalk: “Die Chance Social Media in eine Live-TV-Sendung wirklich effektiv und vor allem inhaltlich wertvoll zu integrieren wurde im ersten Anlauf leider verspielt. Mit Anfängerfehlern, denn ein Communitymanagement fand praktisch nicht statt, die Masse des Nutzerfeedbacks wurde scheinbar unterschätzt, teilweise bewusst ignoriert.” Im zugehörigen Blog-Artikel erläutert Wiesner ausführlicher wieso er zu dem Ergebnis kommt. In der Tat schaffte es während der gesamten Sendung auch nur ein Tweet ins Fernsehen, für eine interaktive Sendung muss hier sicherlich noch ein wenig mehr passieren.

Das Medienmagazin DWDL fällt am Ende der Sendung eine ausgewogene Kritik, in der vor allem die “Zerstückelung” der Show kritisiert wird. Will die ARD Gottschalk auf dem Sendeplatz wirklich eine Chance geben, sollte sie die Werbeformalitäten ihres Vorabends massiv überdenken.

Ob Gottschalk wirklich die erste erfolgreiche Verknüpfung zwischen Web und TV herstellen kann, bleibt abzuwarten – Daniel Fiene und Thomas Knüwer sind sich sicher, dass er es kann. Dafür allerdings benötigt Gottschalk Zeit. Am Premierenabend schauten 4,34 Millionen Deutsche zu – für den Sendeplatz ein Spitzenergebnis für die ARD. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, wie viele davon in den kommenden Wochen übrig bleiben. Auf Facebook hat die Sendung, die sich im sozialen Netzwerk äußerst aktiv zeigt, im Moment etwas über 16.000 Fans – hier ist noch Platz nach oben. Abzuwarten bleibt, was der tägliche Sendungsstreß mit einem Thomas Gottschalk und die Quotenerwartertungen der ARD mit der Sendung machen. Reden wir in 100 Tagen noch einmal – so lang gibt man zumindest einer Regierung im neuen Amt, Gottschalk hätte als einer der großen Moderatoren in Deutschland eine ähnliche Schonzeit absolut verdient.

Die erste Sendung vom gestrigen Abend lässt sich für sieben Tage in der ARD Mediathek abrufen.