Die Abhängigkeit von Unternehmen an das Goodwill von Facebook ist groß. Die Investitionen in eine Unternehmensseite beim Social Network-Giganten ist ein Risiko – denn Schutzmechanismen kennt Facebook so gut wie keine. Es gibt keine Verifikation (wie bspw. bei Google+) und Administratoren können im Alleingang, ohne Nachfrage oder Sicherungsmechanismen, Unternehmensseiten mit zwei Klicks löschen. Und am Ende stehen die Wächter von Facebook selbst – die Unternehmensseiten ohne Mühe, und vor allem ohne vorherige Warnung oder Mahnung löschen. Weg die Seite, Weg die Fans, Weg die Investitionen in Pflege oder Werbung.

Dass dieses Spiel mit dem “Guten Willen” und dem Vertrauen manchmal verloren werden kann, zeigt die Facebook-Seite von Muenchen.de aktuell. Beziehungsweise: Es zeigt sie nicht. Denn seit vergangenem Freitag ist die mit über 400.000 Fans stark vernetzte Seite verschwunden. Nach Angaben von Lajos Csery, Geschäftsführer der Beteibergesellschaft von muenchen.de, von Facebook gelöscht. Ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, ohne vorherigen Kontakt.
Einen identischen Fall gab es beim österreichischen Radiosenders ‘Antenne Vorarlberg’. Dort hatte Facebook die Seite mit rund 20.000 Fans ebenfalls über Nacht abgeschaltet, die Kommunikation hatte die kleine Funkstation am Ende aufgegeben und einfach neu angefangen – mittlerweile weist man wieder 10.000 neue (und alte) Fans aus.
Insbesondere der aktuelle Fall um muenchen.de zeigt, dass Facebook dringend seine Arbeitsweise im Umgang mit Unternehmen überarbeiten muss. Diese werden in der Regel bei Problemen auf weiter Flur allein gelassen. Insbesondere bei der Abschaltung oder Löschung von Seiten müssen Sicherheitsmechanismen und Mahnverfahren erdacht und eingebaut werden, nicht zuletzt um die Investitionen der Firmen zu schützen.
Dabei ist relativ unerheblich, ob ein Unternehmen direkt Werbung schaltet oder nicht – eine “Garantie” zum Erhalt einer Seite stellt dies nicht da, Investitionen erfolgen auch in Form von Gewinnspielen, Applikationen und redaktionellen Inhalten. Facebook bietet aktuell kein “Backup-System”, keine Verifizierung und keine Sicherheitsmechanismen an, die das Löschen einer Seite sowohl durch Facebook als auch einen Administrator durch eine Zwischeninstanz sichern. Ein Risiko, mit dem Unternehmen nicht immer erfolgreich leben – denn die Zahl solcher Löschungen durch Facebook ist höher, als der aktuelle Einzelfall muenchen.de, nur ist hier eine Seite mit wesentlicher Fanzahl betroffen.
Google+ setzt Seiten zuweilen auch ohne Ankündigung “offline”, wenn es seitens Google Bedenken an der Seite gibt. Allerdings bietet das Netzwerk den Administratoren dann zumindest ein Formular an, über welches direkter Kontakt aufgenommen werden und der Fall (unserer Erfahrung nach) recht schnell behandelt werden kann.


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