E. The Future of Books?

“Deutsche Verlage ignorieren den Trend E-Book”, zieht Thomas Knüwer in seinem Rückblick auf 2011 ein Fazit. Doch der Eindruck täuscht unter Umständen. Denn, dass sich E-Books nicht in einer massiven Welle durchsetzen, liegt nicht allein an den Verlagen. Oder?

Sicherlich zögern Verlage bei der Umsetzung einer “E-Book Strategie”. Feststellbar ist bspw. der nahezu konsequente Verzicht darauf, potentielle Bestseller auf elektronischem Weg zu veröffentlichen. So schlecht diese Entscheidung für den Kunden ist, so nachvollziehbar muss sie jedoch sein. Portale wie boerse.bz, auf denen man eine Vielzahl von E-Books illegal herunterladen kann, erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Probleme kennt die Branche bereits vom Kino- und der Musikindustrie. Wenig überraschend sollte also sein, dass sie zögerlich versucht Wege zu gehen, die sicherer sind.

Dass sich elektronische Bücher in Deutschland nicht oft verkaufen müssen, um die Charts der E-Book Stores zu erklimmen hat Blogger Johnny Haeusler im Dezember eindrucksvoll bewiesen. Mit seinem E-Book, welches 15 bereits veröffentlichte Geschichten seines Weblogs Spreeblick enthielt, katapultierte er sich recht zügig in die vorderen Ränge bei Amazon und im iBook Store.

Liegt der schleppende Verkauf des elektronischen Buches in Deutschland an der Preispolitik? Deutschland leistet sich nicht nur im klassischen Buchladen eine Buchpreisbindung. Für einmal gedruckte Bücher gilt die Buchpreisbindung nämlich auch für E-Books – ein Umstand, den man dem digitalen Konsumenten wenig gut verkaufen kann.

Dass das E-Book ein akzeptabler Absatzweg für die Verlagsbranche werden wird, steht ausser Zweifel. Die Branche wird um das E-Book nicht herum kommen. Der E-Book Reader Kindle stand in den Wochen vor Weihnachten in all seinen Varianten stets ganz weit oben auf der Abverkaufsliste des Internetshops Amazon – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Am Ende der Weihnachtszeit jubelte Amazon entsprechend: “Throughout December, customers purchased well over 1 million Kindle devices per week.”

Doch auch in den USA ist erstaunlich: Der E-Book Bestseller des Jahres 2011 bei Amazon war einer, das über die Amazon-eigene Plattform “Kindle Direct Publishing” veröffentlicht wurde. Darcie Chan wurde ganz ohne einen Verlag zur (E-)Bestseller-Autorin.

Vielleicht wird bei der Analyse des E-Books zu sehr auf angestammte Hitlisten geschaut. E-Books haben einen großen Vorteil gegenüber ihren gedruckten Brüdern: Sie funktionieren in der Long-Tail – sie nehmen keinen Platz in Buchläden weg, verstauben nicht und müssen irgendwann das Lager frei machen. Ein E-Book hat Zeit zum Abverkauf. Hitlisten sind unter Umständen nicht der einzige Gradmesser …

E-Books haben Vorteile, die zunehmend mehr Menschen zu schätzen wissen. Mit zwei Firmen, die das Thema massiv in den Markt drücken (Amazon und Apple über das iPad) wird das Thema nach all den Jahren, in dem es groß geredet wurde, endlich wirklich ein großes. Dass Verlage sich nicht begeistert in den Handel mit elektronischen Werken begeben ist angesichts der Erfahrungen mit digitalen Gütern in der Kino- und Musikbranche kein Wunder. Dem Druck aus iPad und Kindle müssen sie sich allerdings langsam beugen, und tun dies auch – das Angebot an elektronischen Büchern steigt nicht nur im Independent Bereich stetig. Dass der Erfolg des E-Books allerdings nicht (nur) von den Verlagen abhängt, zeigen die aktuellen Beispiele um Haeusler und Chan.

Das gedruckte Buch übrigens wird ebenso wenig verschwinden, wie es CDs, DVDs oder Zeitschriften tun werden. Der Nachteil am digitalen Gut nämlich ist: Das Verschenken. Und daneben ist der Mensch hoffnungslos nostalgisch.
Wie der Buchladen der Zukunft aussehen könnte, macht der Australier Dan Rule vor. Er hat zusammen mit einem Partner das “Perimeter” gegründet – ein Buchladen in Galerieform.

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