Der Ein-Netzwerk-Mensch

Regelmäßig zeigt die ARD/ZDF Onlinestudie auf, wie das deutsche Webvolk in der breiten Masse tickt. Die repräsentative Studie verortet dabei seit einigen Jahren nicht nur die pure Zahl der Online in Deutschland, sondern beschäftigt sich auch mit Aspekten des Online-Lebens und -Konsums.

Wie bereits im Vorjahr geht die Studie auch 2012 vor allem auf die Nutzung von Communitys bei Onlinern ein.

Demnach gilt für 2012:
Das Interesse an privaten Communitys hingegen ist 2012 ungebrochen hoch. Sie haben sich längst im deutschen Internetmarkt etabliert [...]. 22,88 Millionen Erwachsene ab 14 Jahren besitzen ein Profil in einem privaten Netzwerk, das sind rund 43 Prozent der Onliner. Nach einem Zuwachs von 2,5 Millionen von 2010 auf 2011 fällt die Steigerung mit 1,4 Millionen von 2011 auf 2012 – auf hohem Niveau – geringer aus.
Die Nutzer fokussieren sich dabei zunehmend auf nur eine Mitgliedschaft: 58 Prozent beschränken sich 2012 auf die Mitgliedschaft in einer privaten Community, aber noch unterhält immerhin knapp ein Drittel (31%) zwei Profile. Drei und mehr Profile besitzen nur 11 Prozent der Communitynutzer. In den Vorjahren war der Hang zu mehreren Profilen ausgeprägter (drei und mehr Profile 2010: 24%, 2011: 14%).

Von einer “Social Media Müdigkeit” kann übrigens keine Rede sein. Der Studie nach steigt die Aktivität in den Netzwerken weiter. Gegenüber 2011 gaben mehr Nutzer an, täglich aktiv zu sein (2011: 55%, 2012: 59%). Dabei hat sich vor allem der Altersbereich der Teens bei den Aktivitäten gesteigert (+22%), aber auch Twens (+5), ältere Gruppen werden hingegen im einstelligen Prozentbereich inaktiver.

Wie bereits 2011 ist “Community” bei den meisten Nutzern heute durchaus gleichbedeutend mit “Facebook”. Wie bereits die IVW Zahlen ahnen lassen, rangieren die deutschen Netzwerke mit weitem Abstand hinter dem Social Network-Riesen. Insgesamt 81 Prozent der Nutzer vereint Facebook unter den Onlinern ab 14 Jahren bei sich (19,77 Mio. Nutzer), auf Platz zwei kommt werkennt-wen mit 3,56 Millionen, studiVZ mit 2,54 Millionen, meinVZ mit 1,55 Millionen und schülerVZ mit 1,42 Millionen Nutzern ab 14 Jahren.

Stark zunehmend ist auch die mobile Nutzung des Internets. Von den mobilen Nutzern greifen immerhin 42% von unterwegs auf Facebook zu.

Die Hauptnutzungszeit von Communitys ist am späten Nachmittag und in den Abendstunden zu verzeichnen: 64 Prozent der Communitynutzer nutzen in der Zeit von 18 Uhr bis Mitternacht ihre Plattform aktiv durch Lesen oder Posten von Beiträgen, dies entspricht der Hauptnutzungszeit der Onliner insgesamt. Am Nachmittag nutzt immerhin jeder dritte Communitynutzer Facebook & Co – häufig zur Überbrückung zwischendurch, zum Beispiel an der Uni oder im Bus. Am Morgen, am Vormittag und in den Mittagsstunden sind es jeweils etwa 15 Prozent.

Ebenso interessant: Die Kommunikation One-to-One nimmt laut Studie zunehmend ab, während das agieren im (halb-)öffentlichen Raum (aka Community) zunimmt.

Beim Echtzeitkommunikationsdienst Twitter klaffen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Nutzung weiter Welten. Laut Studie nutzen nur 4 Prozent der deutschen Onliner ab 14 Jahren den Dienst, was hochgerechnet rund 2 Millionen Nutzer sind. Trotz eines satten Plus von 0,5 Mio. gegenüber dem Vorjahr ist Twitter noch immer eher ein Social Media-Zwerg.

Weblogs bleiben bei ca. 7 Prozent der Nutzung. Das ist gegenüber dem Vorjahr konstant. Laut Studie nutzten die meisten Onliner Blogs passiv, nur rund die Hälfte der aktiven Blog-Nutzer bloggen auch selbst. Differenziert muss hier jedoch die Nutzung gesehen werden – so dürften vor allem professionalisierte Blogs weiterhin wesentlich mehr Leser aufweisen, als das sie Leser aktiv als “Blog” einstufen.

Insgesamt bleibt das “Social Web” ausserhalb von Communitys wie Facebook weitgehend passiv. Gepostet, kommentiert und diskutiert wird vorwiegend innerhalb der geschlossenen Systeme. Nur 8 Prozent aller Onliner sind überhaupt noch offen für Beteiligung ausserhalb der Plattformen, 57 Prozent verweigern sich kategorisch. Schon bei den ab 30-Jährigen beginnt der Generationenabriss: Die Mehrheit der 30- bis 39-Jährigen interessiert sich schlichtweg nicht für aktive Beteiligung im Netz. Dies bestätigt Befunde der vergangenen Jahre, wonach nur ein sehr geringer Teil der Nutzer user-generated Content für eine passive Mehrheit zur Verfügung stellt.

Ausführlich gibt es die Studie hier als PDF.

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