medienrauschen, das; [Nomen] – ein Weblog rund um Neues und Lesenswertes aus den Themenbereichen Medien und Social Media

Social Media – sind wir müde?

Was ist eigentlich mit der Social Media Müdigkeit, die man überall diskutiert?“, fragte mich am Freitag ein Reporter von MDR Info, dem ich für einen Radiobeitrag ein kurzes Interview zum Status Quo der Vz-Netzwerke gebe.
Social Media Müdigkeit.
Gibt es da wirklich eine? Jenseits der inszenierten, von halb wichtigen und sich wichtig nehmenden Self-In-Szene-Setzern?

“Es wird alltäglicher”, sage ich. “Und damit eben auch etwas ruhiger.” Wie in einer Liebesbeziehung.

Und dann schreibt zufällig am Samstag auch, und ausgerechnet, Richard Gutjahr: “Ich bin müde. Facebook-müde. [...] Mir wird Facebook zunehmends egaler.”

Meine Güte! Der auch?, frage ich mich.
Nein. Der nicht.
Aber auch. Denn auch Gutjahr schreibt von der Alltäglichkeit.

Die Verliebtheit ist rum. Zu diesem Fazit kommt auch Gutjahr.
Social Networks haben sich in unseren Alltag integriert. Die First Mover, die um jeden Preis excited sein wollen ziehen langsam rüber zu Google+, die Normalos bleiben auf Facebook und die Late-Adopter kommen langsam auch. Zumindest mache ich eine interessante Feststellung: All jene ehemaligen Klassenkameraden von vor 15 Jahren kommen langsam auf Facebook an.

Dass Facebook vermeidlich “inaktiver” wird, wie es der MDR Info-Mann ausdrückte, weil kaum mehr jemand Inhalte einstelle, ist dabei sicherlich nicht nur eine subjektive Wahrnehmung. In Zeiten von Social Media mag sich die Lurkers-Commenters-Creators-Pyramide von 90-9-1 zu 70-20-10 ändern, alle werden aber nicht gleich zu Interaktivtäts-Content Creator-Monstern, nur weil man ihnen die Möglichkeit gibt.

Wir integrieren Social Media zunehmend in den Alltag. Darunter leidet die Leidenschaft. Ist das Schlimm? Nein. Es ist nur eine andere Nutzerbeziehung, auf die Unternehmen ebenso gefasst sein sollten, wie die sozialen Netzwerke. Sie alle sind wachstumsgetrieben, nur langsam gewinnen die Lurker die Oberhand …

Kehrt Ruhe um Social Media ein?
Nein, sicherlich nicht. Auch im “verflixten 7. Jahr” werden wir uns über aberwitzige Polit-Aussagen zum Netz-Verständnis freuen dürfen, auch heute noch werden Facebook-Partys diskutiert werden und auch künftig werden Unternehmen und Eltern, Lehrer und Vorgesetzte seltsam anmutende Fragen stellen und Fehler begehen. Die “Social Media Revolution”, so es sie gab, rollt langsamer, aber weiterhin stetig. Der Hype allerdings ist tatsächlich – over. Gut so! Für uns alle. Willkommen im Alltag – in Ehen sind, erreicht man diese Phase einmal, das dann ja die schönsten Jahre. Sagt man.

Thomas Gigold
Blogger, Berater, Mensch