Dass Inhalte nicht mehr den Unternehmen gehören, daran müssen sich einige Firmen erst noch gewöhnen. Ebenso wie an den Gedanken, dass eine Idee im Social Web lang nicht mehr so leicht steuerbar ist, wie man im Vorweg eventuell glauben will.
Nun birgt das Social Web nicht unbedingt übermäßige Gefahren, dennoch sollte bedacht werden, welche Konsequenz sich aus einer Idee entwickeln kann – sowohl positiv, als auch negativ. Trotzdem passiert es hin und wieder, dass bei der Entwicklung einer Idee kurz gedacht wird oder man den “Trollfaktor” nicht einberechnet. Denn unter den Nutzern werden sich immer auch einige finden, die eine Idee “umkehren” und – in den Augen des Unternehmens – gegen das Unternehmen richten. So geschehen beispielsweise im letzten Jahr bei einer Kampagne von Pril, bei dem plötzlich “Pril Brathähnchen Geschmack” in einem Uservoting ganz vorn lag.
Mit einem ähnlichen “Umkehreffekt” hat nun auch die Burgerkette McDonald’s zu kämpfen. Und das ganz unaufgefordert, denn ursprünglich hatte man Nutzer nicht einmal zum mitmachen aufgefordert. Doch die kamen.
Am Mittwoch hatte McDonald’s auf seinem Twitter-Account den Hashtag “#McDStories” genutzt, um seine neue Imagekampagne mit Videos über seine Lieferanten und die Güte des eigenen Essen zu twittern.
Insgesamt gab es gerade einmal zwei Tweets: Eins, Zwei.
Diese verteilte man nicht nur an die eigenen Follower, sondern auch über das Promoted Tweets-Programm von Twitter, der bei der Suche nach einem Thema oder Hashtag den bezahlten Tweet immer an oberste Stelle setzt. Nutzer griffen den Hashtag auf, um ihre eigenen “McD Stories” zu erzählen. Und “within an hour, we saw that it wasn’t going as planned”, wie es McDonald’s Social Media Director Rick Wion gegenüber paidcontent.org ausdrückt.
Denn die Nutzer fingen nicht an, über tolles Essen zu twittern, sondern über entlassenen Freunden, Fingernägeln im Essen, Magenproblemen und andere negative Geschichten rund um die Burgerkette.
Selbst sechs Tage nach dem Original-Tweet hält sich die Welle, wenn auch immer kleiner werdend, noch auf der Plattform.
Stellt sich die Frage: Kann McDonalds etwas dafür?
Der parallel zu gleichen Promotion-Zwecken publizierte Tweet mit mit dem Hashtag #MeetTheFarmers bekam zwar auch zum Teil negatives Feedback, nicht jedoch in der Wucht, wie es bei #McDStories über McDonald’s herein brach. Am Ende testete das Social Media Team, welcher Hashtag mehr Aufmerksamkeit gewinnen würde. Und Gratulation, es gibt einen Gewinner! Würde man nach alten Marketingregeln gehen, gälte an dieser Stelle: Besser schlechte PR als gar keine. Fakt ist, McDonalds hat zum Teil gegen ein schlechtes Image anzukämpfen – ungesundes, nicht schmeckendes Essen und schlecht bezahltes Personal sind die wahrscheinlich häufigsten Vorwürfe. Damit in einem Franchise-Unternehmen aufzuräumen ist keine Aufgabe, die leicht ist. Der erzeugte Gegenwind dürfte für die Kette also keine gänzlich neue Erkenntnis sein, und das Unternehmen dürfte ohne nennenswerte Schäden aus der Geschichte kommen. Trotzdem verdeutlicht es allerdings: Social bedeutet auch, mit Gegenwind rechnen zu müssen und damit umgehen zu können. Auch, wenn er sich aus einem vermeidlich banalen Hashtag ergibt. Und: Einmal ein Hashtag gesetzt, lässt sich dieser nicht mehr umkehren oder löschen. Für alle, die in der letzten Woche auf die Anzeige von McDonald’s geklickt haben, dürfte es höchst überraschend gewesen sein, in einer Werbekampagne zu landen, welche die negativen Eindrücke eines Unternehmens hervorhebt …
Am Ende der Woche twitterte McDonalds übrigens: “TGIF” – Thank God it’s Friday! Kann man verstehen …
Pingback: Fundstücke vom 25.01.2012 « daniel rehn – digitales & reales