medienrauschen, das; [Nomen] – ein Weblog rund um Neues und Lesenswertes aus den Themenbereichen Medien und Social Media

Google will Alles.

Google packt den Hammer aus: Am Dienstag Abend gab das Unternehmen aus Mountain View bekannt, dass man künftig alle Daten der eigenen Dienste zusammenführen wird und Nutzerdaten aus GMail, Suche, YouTube und anderen Services kombiniert.
Nutzer können sich von diesem Schritt nicht ausnehmen, ein Opt-Out ist nicht vorgesehen oder möglich.

Die Ankündigung klingt harmlos, ist jedoch ein radikaler Schritt: Google hat die Nutzungsbedingungen seiner Dienste gestrafft und vereinfacht – “easier to read, easier to understand”. Statt für jeden Dienst eine eigene Datenschutz-Richtlinie gibt es künftig eine für alle Dienste. Doch dahinter verbirgt sich noch etwas – das Zusammenführen von Daten eines Nutzers (mit Google Profil) aus all den von ihm genutzten Diensten. Für Google ist dieser Schritt eine logische Konsequenz aus dem, was Google zuletzt mit Google+ und der sozialen Suche bereits technisch und mit der Google-Bar auch optisch, eingeleitet hat. Es ist ein absehbarer Schritt.
Mit der Zusammenführung erstellt Google endgültig ein zentrales Profil für jeden Nutzers, das Informationen von einem Dienst zum anderen reicht. Etwas, das man selbst als stets verfolgter und getrackter Nutzer innerhalb des Google-Netzwerkes in dem bevorstehenden Ausmaß noch nicht kannte. Innerhalb von Google konnte das Unternehmen bisher zwar auch bereits eindeutig nachvollziehen, was ein Nutzer mag, für Mails bekommt, Videos konsumiert und sucht – mit der neuen Richtlinie will es diese Informationen künftig jedoch auch offensiv zusammenführen und nutzen dürfen.

Die neue Datenschutz-Regelung schließt Android-Nutzer, die ihr Telefon mit dem eigenen Google-Account verknüpft haben, mit ein. Einzige Ausnahmen vom Schritt der ‘global privacy police’ sind Google Wallet, der Chrome Browser sowie Google Books. Durch die Verbindung der Dienste, die auch das Werbenetzwerk von Google mit einschließen, werden weitere Personalisierungen in Werbung, Suche und anderen Diensten möglich.

Google propagiert den Schritt mit dem Erlebnisfaktor. Das Google-Netzwerk soll für Nutzer eine “simpler, more intuitive Google experience” bieten. Mit dem Schritt schafft der Suchprimus ein endgültig zusammenhängendes Google Eco-System, dessen zentrale Verwaltung Google+ werden dürfte. Dass man Nutzer lieber und durchaus gut im eigenen Eco-System halten kann, zeigen aktuell vor allem Apple und Facebook.

Die neuen Richtlinien und die Zusammenführung wird zum 1. März stattfinden.
Es wird spannend zu sehen sein, welches Ausmaß an Gegenwind Google aufgrund dieser Ankündigung aus der Netzgemeinde in den nächsten Tagen entgegen kommt – das sonst vom Konzern propagierte Motto “Don’t do evil” dürften sich die Angestellten in den nächsten Tagen des öfteren um die Ohren schlagen lassen müssen.

Thomas Gigold
Blogger, Berater, Mensch