medienrauschen, das Medienweblog


Rauschen (04.02.2010, 14:08 Uhr)

Zeitung aus Blogs gegossen

Eine neue Internet-Community in Großbritannien versucht, aus Blogbeiträgen eine Zeitung zu machen. Nach einer Sneak Preview mit 4000 Exemplaren im September 2009 und zwei Nullnummern im November und Dezember mit 10.000 Exemplaren wird nun an der vierten Ausgabe von theblogpaper gearbeitet.
Blogpaper: Crowdsourcing statt Redaktionskonferenz

Netz (26.01.2010, 21:59 Uhr)

Ein Leben nur mit twitter und Facebook?

Fünf Journalisten aus Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz sperren sich ab dem 1. Februar in ein Haus ein. Dort kommen sie ohne Telefon, Fernsehen, Zeitung und das “traditionelles” Internet aus und prüfen, ob sie sich fünf Tage lang nachrichtlich auf dem Laufenden halten können. Wo sie Nachrichten her bekommen wollen? Von Facebook und twitter. Damit wollen die Journalisten das Informationspotentiale des Social Web auf Herz und Nieren überprüfen.
Ausführlich über das Projekt: Gefahrgut-Blog.
Die Journalisten auf twitter.

Netz (13.01.2010, 09:01 Uhr)

Google will Freiheit für China (Update)

We have decided we are no longer willing to continue censoring our results on Google.cn, and so over the next few weeks we will be discussing with the Chinese government the basis on which we could operate an unfiltered search engine within the law, if at all.

In einem Posting auf dem hauseigenen Blog verkündet Suchgigant Google, dass man nicht länger willens sei, die Suchresultate in der chinesischen Ausgabe von Google zu zensieren. Im gleichen Blogpost begründet Google - das seine Suchergebnisse seit dem Start in China 2006 dem Diktat der sozialistischen Regierung unterwirft - diesen Schritt auch. So seien dem Konzern nicht nur Menschenrechte wichtig, man habe auch mit Hackerangriffen aus China zu kämpfen, die gezielt nach verwertbaren Informationen in der Struktur von Google suchten und Postfächer chinesischer Menschenrechtsaktivisten ausspionieren wollten.

Nach der Ankündigung haben Menschen vor der Zentrale von Google China Blumen niedergelegt und das Netzvolk jubelt ob des tapferen, Wälle brechenden Schrittes von Google.
Der Schritt bringt Google Aufmerksamkeit und könnte taktisch und PR-technisch kaum besser sein.
Das Engagement und die damit einhergehende schweigende Zensur der sonst so heiligen Suchresultate haben Google in den letzten drei Jahren immer wieder Kritik eingebracht. Daneben ist der chinesische Markt ein schwieriger - die vorherrschende Suchmaschine ist Baidu.com, Google rangiert mit 29% Marktanteil abgeschlagen auf Rang zwei. In Mountain View hat man nun einige Jahre gebraucht um zu der Einsicht gekommen, dass es für PR, Menschenrechte und Erfolg wohl schlecht ist, sich dem Diktat zu unterwerfen - einem Diktat, dem sich freilich nicht nur Google unterwirft.

Das erste Lob für den Schritt von Google kommt von den Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und dem Center for Democracy and Technology (CDT). Beide bezeichneten das Vorgehen Googles als “mutigen und schwierigen Schritt” und lobten das Unternehmen.

Google will in den kommenden Wochen mit der chinesischen Regierung über das weitere Vorgehen beraten und droht offen mit einem Rückzug aus dem Land.

Rauschen (09.12.2009, 10:40 Uhr)

Pauschal abgerechnet

Eine “Medienpauschale” soll sie werden, die neue, überarbeitete GEZ-Gebühr, über die derzeit diskutiert wird. Eine Pauschale, die jeder Bundesbürger zu zahlen hat, wenn er nicht beweisen kann, dass er weder über Fernseher, Radio, Smartphone (also Handy) oder Computer verfügt.
Die Begründung der Ministerpräsidenten der Länder, für diesen Vorschlag: Das Internet und Rundfunk, und damit (auch) die Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalten, sei von all diesen Geräten zu empfangen.
Das klingt logisch, und irgendwie auch fair. Aber auf der anderen Seite kann man die Angebote der privaten Anstalten, Verlage und Menschen auch über dieses Internet empfangen. Und die bekommen von der GEZ irgendwie auch nichts überwiesen.

Dass wir eine GEZ-Gebühr brauchen, darüber wollen wir nicht streiten. Eine im Grundgesetz festgeschriebene, freie Vierte Gewalt als Grundsicherung unserer lebendigen Demokratie muss sich finanzieren könne. ABER .. Aber:
Über die Programmvielfalt der ARD- und ZDF-Anstalten kann man sich streiten, Über Sendungen wie Tele-Novelas oder Gewinnspiel-Shows, die Gelder für gute oder weniger gute Zwecke verjubeln, ebenso. Über Thomas Gottschalk. Über Frank Elstner. Über Kerner, Lanz, und all die anderen sicherlich auch. Telemediale “Grundsicherung” ist das Wort, an dem wir uns immer dann reiben, wenn es um die GEZ-Gebühren als Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Funk-Anstalten geht. Und die Frage ist sicherlich nicht leicht zu beantworten.
Sollte allerdings eine Mediennutzungsgebühr in der Form wirklich kommen, müssen wir uns über etwas unterhalten, liebe Minister: Und zwar über einige Dinge, wie zum Beispiel

Sicherlich auch noch über einige andere Dinge, aber das verschieben wir einmal auf später.

Eine “Mediennutzungspauschale” für jeden deutschen Netz-Nutzer ist ein durchaus denkbarer Finanzierungsplan für eine Vierte, wirklich unabhängige Macht im Netz, im Fernsehen und im Staat. Nicht aber, wenn sie mehr kostet als mein DSL-Zugang. Vor allem aber nicht, wenn die journalistische und politische Unabhängigkeit nicht gewährleistet ist.

Netz (08.11.2009, 12:42 Uhr)

Das Ende der Netzeitung ist hausgemacht.

Es ist vorbei. Die jahrelange Odyssee der Netzeitung íst beendet. In einer knappen Mitteilung läßt der derzeitige Eigentümer M. DuMont Schauberg wissen, dass das Konzept einer reinen Internet-Zeitung gescheitert ist. Am 31.12.2009 sagt die Redaktion und das Konzept “Adieu”. Und so leid einem die Kollegen tun, so sehr man die Netzeitung nun beweinen mag, so sehr muss man auch sehen, dass das Ende der Netzeitung auch hausgemacht ist, und nicht (nur) mit dem höheren Etat der konkurrierenden, etablierten Medienhäuser zu tun hat.

Denn wenn man einmal ehrlich ist, so war die Idee einer reinen Net(z)-Zeitung zwar irgendwie wunderbar, charmant und neu. Aber so richtig toll umgesetzt war sie nie. Bis auf eine Blog-Kolumne gab es kaum exklusive Geschichten, erst recht keine die medial dem Internet gerecht aufgearbeitet waren. Weit weg war die Netzeitung schon immer von den eigenen journalistischen Ansprüchen, ebenso wie von einem technischen und medialen Format, das im Internet daheim ist. Insbesondere seit die Web 2.0-/Social Media-Welle durch das Internet rollt offenbar die Netzeitung ihr grundlegendes Fehlverständnis gegenüber ihrer digitalen Heimat. Denn wo Welt kompakt, Zeit Online oder das von der WAZ-Gruppe geleitete derWesten durch Einbeziehungen von Facebook, twitter und Co. versuchen an den Leser zu rücken wirkte die Netzeitung immer eher wie ein Geist der eigenen Idee. Das mag zum einen an der Unterfinanzierung gelegen haben, die David Montgomery - der letzte in einer illustren Reihe von Besitzern - der Netzeitung darbot. Zum anderen vielleicht auch an der Überlastung der Redakteure. Aber ehrlich: Eine Zeitung die rein im Netz entsteht und daheim ist, sollte sich ein wenig mehr Mühe geben die Digital Natives zu verstehen und zu empfangen.

Das Aus der Netzeitung sollte Medienhäusern in Deutschland etwas zeigen. Dass, nur weil man eine Website mit reproduzierbaren Nachrichten vollstopft sie nicht erfolgreich wird. Zum Newsportal gehört ein wenig mehr, zum erfolgreichen erst recht. In Zeiten des sozialen Netz bedeutet dies nicht, die Seite mit Videos vollzustopfen, sondern die Leser dort abzuholen, wo sie sich sowieso tummeln. Diesen Schritt hat die Netzeitung auf grandiose Art und Weise verpasst.

Ironie: Genau diese Entwicklung sah Netzeitung-Gründer Knut Ivar Skeid anno 2000 übrigens kommen. Traditionelle Zeitungen, so Skeid zum Start der digitalen Zeitung, würden von digitalen Datenströmen abgelöst, die den Kunden überall, wo er sich gerade aufhält, auf den verschiedensten Wegen erreichen. Damit hatte Skeid nicht Unrecht: Facebook, twitter und Co. sind die Tummelplätze der heutigen Internet-Nutzer. Nur leider ist diese Vision an der Netzeitung vollkommen vorbei gegangen ..

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